Finanzdienstleister:AWD schleicht sich bei MLP ein

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Zwei Finanzdienstleister wachsen zusammen: AWD-Eigner Swiss Life hat eine Sperrminorität am Rivalen MLP erworben. Dort ist man vom neuen Großaktionär gar nicht begeistert.

Carsten Maschmeyer hat sein großes Ziel offenbar erreicht. Zwei große Finanzdienstleister wachsen zusammen. Der von Maschmeyer gegründete AWD-Konzern steigt beim Konkurrenten aus Wiesloch ein - allerdings über einen kleinen Umweg.

Finanzdienstleister: AWD-Chef Maschmeyer hat sein Ziel erreicht. Der Finanzdienstleister und sein Konkurrent MLP wachsen enger zusammen.

AWD-Chef Maschmeyer hat sein Ziel erreicht. Der Finanzdienstleister und sein Konkurrent MLP wachsen enger zusammen.

(Foto: Foto: dpa)

Maschmeyer, der AWD im Jahr 1988 gegründet hatte, verkaufte die Mehrheit seiner Anteile im Frühjahr 2008 an den Schweizer Finanzkonzern Swiss Life - blieb dem Unternehmen allerdings als Vorstandsvorsitzender erhalten. Etliche Experten hatten den smarten Manager, der auch mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder befreundet ist, schon Amtsmüdigkeit attestiert. Doch die Möglichkeit, seine AWD mit MLP zu verbinden, hat den Unternehmer schon lange elektrisiert. Nun sah Maschmeyer die Chance, seinen Traum zu realisieren: Mit einem Zusammenschluss von AWD und MLP entstünde Deutschlands größter Finanzdienstleister.

Doch von einer Fusion will noch niemand sprechen - weder in bei AWD in Hannover, noch beim Mutterkonzern Swiss Life. Maschmeyer ist jedoch offenbar vom Ehrgeiz gepackt, die beiden Unternehmen zumindest eng aneinander zu binden. Dafür hat er in einem ersten Schritt nach Informationen der Financial Times Deutschland kurzfristig über 20 Prozent der MLP-Aktien gekauft. Ein Teil der Papiere soll er von der Berenberg Bank bekommen haben. Nun erwarb in einem zweiten Schritt der AWD-Eigner Swiss Life von Maschmeyer ein MLP-Aktienpaket von insgesamt 26,75 Prozent.

Keine feindliche Übernahme geplant

Dazu übernimmt Swiss Life von der Maschmeyer-Familie deren verbliebene Beteiligung von 10,46 Prozent an AWD. Der Firmengründer kauft im Gegenzug Swiss-Life-Aktien im Wert von mindestens 300 Millionen Franken (185 Millionen Euro) und wird mit einer Beteiligung von etwa drei Prozent der größte private Aktionär des Unternehmens, teilten Swiss Life und AWD mit.

Somit hält die Swiss Life, der Mutterkonzern der AWD eine Sperrminorität an dem Konkurrenten aus Wiesloch. Und dabei soll es auch erst einmal bleiben. Swiss-Life-Chef Rolf Dörig erklärte, ohne Einvernehmen mit MLP strebe der Konzern keinen Ausbau seiner Beteiligung an. "Wir bedauern sehr, dass der Eindruck entstanden ist, dass wir MLP feindlich übernehmen wollen. Davon kann keine Rede sein", sagte er. Eine Zusammenführung von MLP mit AWD sei nicht geplant. "Beide Marken ergänzen sich und wir garantieren, dass beide unabhängig bleiben. Wer eine Fusion anstrebt, der zerstört den Wert beider Marken."

Auch Maschmeyer ist beglückt: "Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass ich diesen Traum seit langem habe", sagte er bei einer Telefonkonferenz. "Jetzt haben wir die Chance, langfristig unter dem Dach der Swiss Life den größten Finanzvertrieb der Welt mit zwei unabhängigen Marken zu bauen." Durch Swiss Life als gemeinsame Mutter sei nun der "Brückenschlag" möglich. "Jetzt hat auch MLP diesen stabilen Großaktionär, der AWD in den vergangenen Monaten bereits gut getan hat."

Kein Gesprächsbedarf bei MLP

Bei MLP ist man jedoch ziemlich erbost über das Vorgehen der Schweizer - und begeistert von dem neuen Großaktionär ist auch niemand. Der Deal sei "ohne Absprache oder gar Zustimmung durch die Gremien der MLP" erfolgt, teilte das Unternehmen mit. Auch sehe das Management keinen Bedarf für strategische Gespräche mit der Swiss-Life-Gruppe.

MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg hatte noch am Mittwoch Widerstand gegen einen unliebsame Übernahme angekündigt. "Jeder Versuch, gegen den Willen von Vorstand, Großaktionären und Beratern einen maßgeblichen Einfluss zu gewinnen, wäre von vornherein sehr fragwürdig", hatte er gesagt. Größter Aktionär von MLP ist Mitgründer Manfred Lautenschläger mit etwa 32 Prozent.

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