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Fehlspekulationen der Landesbanken:Chronologie einer Krise

WestLB, SachsenLB, LBBW und nun die BayernLB - milliardenschwere Abschreibungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Bilanzen der Landesbanken und könnten den Steuerzahler viel Geld kosten. Wie sich die Landesbanken verspekuliert haben.

Caspar Dohmen und Helga Einecke

Landesbanken gehören den Bundesländern und den Sparkassen. Weisen sie Verluste aus, müssen auch die Bundesländer zahlen. Die Landesbanken mussten auf Druck der privaten Banken ihre Geschäftsmodelle ändern, weil die staatlichen Garantien entfielen.

Offenbar haben sich daraufhin viele Manager auf riskante Strategien eingelassen in der Hoffnung, ihre Gewinne aufzubessern. Das aber ging gründlich schief und ist seit dem Ausbruch der amerikanischen Immobilienkrise offensichtlich geworden.

Nicht mehr lebensfähig

Als erste Landesbank geriet die kleinste und einzige ostdeutsche ins Schleudern. Die SachsenLB war schon in etliche Skandale verwickelt, aber 2007 war sie allein nicht mehr lebensfähig. Das politische Debakel wurde so groß, dass Finanzminister Horst Metz zurücktreten musste, gefolgt vom kompletten Vorstand.

Das Land Sachsen bürgte mit 2,75 Milliarden Euro für die riskanten Geschäfte, die in eine eigene Gesellschaft ausgelagert waren und einen Umfang von 17,5 Milliarden Euro erreicht hatten. Die SachsenLB selbst wurde von der größten Landesbank, der in Stuttgart beheimateten LBBW, übernommen - zum Preis von 328 Millionen Euro. Die LBBW selbst hat ihren Abschreibungsbedarf bisher mit 800 Millionen Euro beziffert. Im März wird sie genauere Zahlen nennen.

Fünf Milliarden Risikoschirm

Die WestLB hatte monatelang ihre eigenen Risiken aus der US-Immobilienkrise heruntergespielt. Im Sommer 2007 sprach sie von einem Abschreibungsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. Die Situation spitzte sich dann mit der zunehmenden Krise der Immobilienfinanzierungen zu.

Im November war dann bereits von höheren Abschreibungen und einem Jahresverlust die Rede. Das Problem: Die Banken konnten ihre in Paketen zusammengefassten langfristigen Immobilienkredite nicht mehr kurzfristig finanzieren. Zwischenzeitlich kam dieser Markt fast gänzlich zum Erliegen. Nach wochenlangen Verhandlungen einigten sich die Eigentümer der Bank, neben dem Land, die Kommunen und Sparkassen aus Nordrhein-Westfalen im Januar auf eine Kapitalspritze in Höhe von zwei Milliarden Euro.

Doch wenige Wochen später war diese Hilfe für die drittgrößte Landesbank nicht mehr ausreichend. Deshalb erhöhten die Eigentümer auf Druck der Finanzaufsicht ihren Risikoschirm auf fünf Milliarden Euro. Dies ermöglicht es der WestLB, riskante Geschäfte mit einem Volumen von 23 Milliarden Euro in eine Zweckgesellschaft auszulagern. Dies gilt als Voraussetzung für eine Fusion mit der Helaba, die als eine der wenigen Landesbanken bislang kaum von der Immobilienkrise betroffen ist.

Deutlich verschätzt

Die Risiken heruntergespielt hatte bis zuletzt auch die BayernLB. Dabei war in Sparkassenkreisen schon gemunkelt worden, die Bayern würden von allen Landesbanken am Ende der Tage den höchsten Abschreibungsbedarf haben. Die Bank selbst hatte zuletzt nur von Abschreibungen in Höhe von rund 100 Millionen Euro gesprochen. Am Mittwoch meldete die BayernLB dann Belastungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro.

Abschreibungen in Höhe von 91 Millionen Euro meldete bereits die HSH-Nordbank. Allerdings enthält diese Zahl nicht das wichtige vierte Quartal. Die NordLB kommt mit 165 Millionen Euro Abschreibungsbedarf bislang auch vergleichsweise glimpflich davon, ebenso wie die Landesbank Berlin, die inzwischen den Sparkassen gehört. Die Sparkassen selbst haben sich auch auf riskante Geschäfte eingelassen - trotz ihrer im Vergleich zu den Landesbanken geringen Größe. So meldeten alleine die 76 Sparkassen aus Westfalen-Lippe Wertberichtigungen von insgesamt rund 100 Millionen Euro.

© SZ vom 14.02.2008/jkr
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