EZB: Kehrtwende von Trichet Detail mit Signalwirkung

Die EZB akzeptiert weiterhin griechische Staatsanleihen als Sicherheit. Für Griechenland ist das eine große Hilfe - und für die Finanzwelt ein wichtiges Zeichen.

Ein Kommentar von Martin Hesse

Jean-Claude Trichet hat eine Kehrtwende vollzogen. Und das will etwas heißen. Schließlich legt der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) größten Wert darauf, in seinen Entscheidungen berechenbar zu sein. Nur so kann er glaubwürdig als Hüter über die Stabilität des Euro auftreten. Nun aber verzichtet Trichet bis auf weiteres auf eine Verschärfung jener Regeln, die es Staaten und Banken erlauben, sich gegen Hinterlegung von Sicherheiten bei der Zentralbank frisches Geld zu beschaffen.

Es klingt nach einem technischen Detail, ist aber in zweierlei Hinsicht ein starkes Signal: Erstens erleichtert der EZB-Präsident Griechenland so den Weg aus der Schuldenfalle. Zweitens zeigt Trichet der Welt, dass die Bewältigung der globalen Finanzkrise noch weit länger dauern wird, als viele glauben.

Noch im Januar hatte Trichet bekräftigt, Ende dieses Jahres werde er wie vor der Krise nur noch Schuldpapiere bester Qualität als Sicherheiten akzeptieren. Das hätte bedeutet, dass Griechenland kein Geld mehr von der EZB bekommt, wenn sich die Bonitätsnote des Landes weiter verschlechtert. Nun gibt der Notenbankchef den Griechen das, was sie am dringendsten brauchen: Zeit. So will er die Abwärtsspirale durchbrechen. Allein die Aussicht, Athen könnte vom Geldstrom abgeschnitten werden, lud Spekulanten ein, auf eine Pleite zu wetten. Dadurch wurde es für Griechenland noch teurer, sich Geld zu beschaffen.

Trichet klinkt sich ein in das taktische Dreiecksspiel, das Berlin, Brüssel und Athen seit Wochen aufführen: Bundesregierung und EU-Kommission wollen Athen Hilfe zusagen, ohne dass tatsächlich Geld fließen muss. Das Ziel ist es, das Zutrauen der Märkte in Griechenland so weit zu erneuern, dass sich der Staat zu vertretbaren Zinsen selbst wieder finanzieren kann. Die Chancen, dass dies gelingt, sind mit Trichets Entscheidung gestiegen. Der Franzose geht diesen Schritt auch in eigenem Interesse: Die EZB will verhindern, dass der Internationale Währungsfonds tatsächlich einem Euro-Staat beispringen muss.

Trichets Kehrtwende ist richtig, und doch hat sie einen bitteren Beigeschmack. Die Notenbank hat offenbar die Hoffnung aufgegeben, rasch zur Normalität übergehen zu können. Spätestens die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals hat gezeigt, dass nach Griechenland andere Länder ebenfalls in einen Abwärtssog geraten könnten, auch wenn sie heute noch besser dastehen als Hellas. Trichet kauft auch Ländern wie Irland und Spanien etwas Zeit, ihre Haushalte zu sanieren.

Der Preis dafür könnte allerdings hoch sein. An den Finanzmärkten ist das Signal Trichets so verstanden worden, dass er im Zweifel auch die Zinsen länger niedrig halten wird, als für einen stabilen Euro gut ist, um Konjunktur und Märkte nicht zu erschüttern. Die Spekulanten freut das: Sie kauften am Donnerstag Aktien und andere riskante Wertpapiere. So baut man eine neue Blase auf.