EZB: Finanzhilfen für Griechenland:Von wegen Bad Bank

Es mag ein merkwürdiger Blick auf die griechische Schuldenkrise sein, aber es könnte tatsächlich auch Profiteure geben. Denn wenn es gelingt, ein zweites Rettungspaket aufzulegen, darf sich die Europäische Zentralbank auf einen Milliardengewinn freuen.

Markus Zydra

Das mag jetzt sehr schwer fallen, aber vergessen wir doch einmal den ganzen politischen Streit um die Rettung Griechenlands. Gehen wir einfach davon aus, dass es der Europäischen Union (EU) in letzter Minute gelingt, die einzig konstruktive Lösung zu finden, nämlich: Athen über die nächsten Jahre mit soviel Kapital zu versorgen, dass die Griechen finanziell wieder Luft schnappen können. Und ignorieren wir dabei für einen Moment die nachvollziehbare Furcht, dass die Griechen auch dieses Geld - unser Geld - verprassen könnten.

Greece Reflects As Papandreou Seeks Confidence Vote

Wenn es der EU gelingt, ein neues griechisches Rettungspaket aufzulegen, winkt der EZB ein Milliardengewinn.

(Foto: Bloomberg)

Was durch die Kredite erreicht wird? Die Retter machen Profit. Diese charmante These bedarf einer Erklärung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Laufe der letzten zwölf Monate etwa 50 Milliarden Euro in die Hand genommen und dafür griechische Staatsanleihen gekauft. Allerdings haben die Notenbanker nicht den vollen Preis für diese Bonds bezahlt - die Anleihepreise waren ja massiv gefallen nach Ausbruch der griechischen Schuldenmisere.

Konkret bedeutet das: Nehmen wir an, eine europäische Großbank hat Griechenland im Jahr 2006 - damals war noch alles gut - eine MilliardeEuro geliehen. Nun will das Institut diese Anleihe aber loswerden. Die EZB hat dann diese Anleihe und viele andere Anleihen ab Mai 2010 aufgekauft, um so den Markt zu stützen. Für die fiktive Eine-Milliarde-Anleihe bezahlte sie dann beispielsweise 700 MillionenEuro. Die Bank nahm einen Verlust von 300 Millionen Euro in Kauf, weil sie fürchtet, der Wert der Anleihe könne noch weiter fallen. Die EZB hingegen macht einen Gewinn von 300 Millionen Euro, wenn Griechenland diese Anleihe vollständig tilgen kann.

Athen kann die Schuld tilgen, wenn die EU genug Kredit locker macht. "Wenn die EZB ihre griechischen Staatsanleihen zu 70 Prozent gekauft hat, und diese Anleihen dann zu 100 Prozent zurückbezahlt werden, dann macht die Notenbank einen Gewinn von 42 Prozent", sagt Andreas Utermann, Aktienchef von Allianz Global Investors. Legt man die 50 MilliardenEuro zugrunde, für die die EZB Griechen-Bonds gekauft hat, so ergäbe sich vereinfacht gerechnet ein Plus von 21 MilliardenEuro

Wer genau hinsieht, merkt: Der EZB-Gewinn speist sich aus den Krediten der Euro-Staaten. Von der rechten in die linke Tasche - ein Trick? Nein, im Gegenteil. "Die Frage der Beteiligung privater Gläubiger wäre auch geklärt", sagt Utermann. "Banken, Versicherungen und andere private Anleger haben der EZB ihre Griechenland-Anleihen zu 70 Prozent verkauft und damit auf die volle Rückzahlung von 100 Prozent verzichtet."

"Vergiftete Debatte"

Diese optimistische Sicht auf die Dinge steht in starkem Kontrast zur breiten öffentlichen Meinung. Die meisten Ökonomen gehen nämlich davon aus, dass es Griechenland nicht schafft. An den Finanzmärkten zeigen die Preisentwicklungen, dass Investoren auch eine unkontrollierte Pleite des Landes nicht ausschließen. Aber muss es so schlimm kommen?

"Athen ist auf einem guten Weg"

"Wir erleben eine vergiftete Debatte", sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Die griechische Wirtschaft sei in diesem Jahr um vier Prozent geschrumpft. "Die griechische Bevölkerung bezahlt einen hohen Preis", so Hellmeyer. Das Land habe 2010 sein Haushaltsdefizit um fünf Prozentpunkte gesenkt. "Das hat noch kein anderes Land jemals geschafft." Es dauere eben ein paar Quartale, bis die fiskalischen Effekte Wirkung zeigen und die griechische Wirtschaft wieder anspringe. "In zwölf Monaten ist die Debatte vorbei, Athen ist auf einem guten Weg."

Die fiskalischen Effekte - das sind die Sparmaßnahmen und Privatisierungen der Staatsbetriebe - auf die kommt es an. Der griechische Haushalt muss ins Plus, das ist die Bedingung. "Erst wenn Griechenland wieder einen Primärüberschuss erzielt, kann eine tragfähige Umschuldung auf den Weg gebracht werden", sagt Utermann. Dann würden die Zinsen für Griechenland sinken, sodass sich das Land auch bald wieder selbst refinanzieren könne. Bleibt die Frage: Wer bekommt den Gewinn der EZB? Allianz-Experte Utermann fordert: "Man sollte diesen Betrag den Griechen geben."

© SZ vom 18.06.2011/holz
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