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Ex-BayernLB-Chef Schmidt:Seit wann der Verkauf geplant wurde

Schmidt hat lange so getan, als habe er sich den Kauf der Hypo Alpe Adria im Frühjahr 2007 in Ruhe überlegt, irgendwann nach Fasching. Jetzt hat er zugeben müssen, dass alles schon Monate vorher begonnen hat, am 14. Dezember 2006. Vor allem: Es ist damals eine Entscheidung im Affekt, in großer Bedrängnis; genau genommen: unter Schock.

Schwere Niederlage

Im Jahr 2006 soll die Bayerische Landesbank wachsen, nicht in Deutschland, sondern in der Welt. Die CSU-Regierung will es so. Internationale Erfolge müssen her; die Vertrauten des Ministerpräsidenten Edmund Stoiber haben nicht nur gelernt, die Worte "Global Player" auszusprechen, sie wollen auch welche sein. In Absprache mit Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser hat Schmidt deshalb viel Geld geboten für eine Bank in Österreich, die Bawag. Am 14. Dezember 2006 allerdings erfährt er, dass nicht er die Bawag bekommt. Sondern der US-Finanzinvestor Cerberus.

Ein Schlag, der wehtut. Die Verantwortlichen bei der BayernLB fühlen sich wie nach einem verlorenen Fußballspiel. Schmidt soll an diesem Tag gesagt haben, es sei die schlimmste Niederlage seines Lebens. Er muss es Faltlhauser beichten. Der will von ihm wissen, wie so etwas passieren konnte. Nicht nur Schmidt hat verloren, sondern auch die Staatsregierung. Der Minister ist außer sich. Frühere Vorstandsmitglieder der BayernLB berichten, Faltlhauser habe ihnen damals sogar vorgeworfen: "Ihr seid zu blöd, eine Bank zu kaufen."

Da trifft es sich gut, dass sich noch am 14. Dezember 2006, dem Tag der Niederlage, zwei alte Bekannte bei Schmidt melden. Sie erzählen Schmidt, es sei ja schade, dass er leer ausgegangen sei. Und sie hätten für ihn auch gleich eine Alternative gehabt, sagt Schmidt aus: Die Kärntner Hypo Alpe Adria. Einer der beiden Herren ist Wolfgang Kulterer, der Aufsichtsratschef der Hypo Alpe Adria.

Ein damals schon belasteter Manager, der inzwischen wegen Bilanzfälschung verurteilt ist. Der andere ist Tilo Berlin, der mit Schmidt einst im Vorstand der Baden-Württemberger Landesbank saß und jetzt das Vermögen reicher Familien verwaltet. Ein gut aussehender, smarter Kerl. Schmidt berichtet der Staatsanwaltschaft, Berlin habe ihm damals am Telefon erzählt, er habe Anteile an der Hypo Alpe Adria und biete sie ihm zum Kauf an. Berlin soll zu Schmidt gesagt haben, es sei doch ein Glücksfall, dass die BayernLB die Bawag nicht bekommen habe.

Ein Glücksfall? Ja, und zwar, wie sich später herausstellen wird, vor allem für Berlin. Für Schmidt und die BayernLB wird es am Ende ein Desaster sein. Vermutlich hat Schmidt deswegen seine Kontakte zu Kulterer und Berlin immer heruntergespielt, anfangs sogar gegenüber der Staatsanwaltschaft. Erst in seiner jüngsten Vernehmung hat er offenbart, wie es wirklich gewesen sei.

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