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Ex-BayernLB-Chef Schmidt:Einer packt aus

Werner Schmidt, der frühere Chef der BayernLB, hat lange geschwiegen. Nun sagt er, wie es zum Kauf der Hypo Alpe Adria kam. Es sind pikante Details.

Werner Schmidt hat lange durchgehalten, hat beschwichtigt, beschönigt und kleingeredet. Doch bei seiner zweiten Vernehmung durch die Münchner Staatsanwaltschaft dämmert ihm, dass er nicht länger standhalten kann.

Schmidt, dpa

Mehr als sieben Jahre war Werner Schmidt Chef der Bayerischen Landesbank. Im Februar 2008, als die Milliardenverluste der Staatsbank bekanntwurden, trat er zurück.

(Foto: Foto: dpa)

Im Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße haben sie ihm Wasser, Kaffee und belegte Semmeln hingestellt und Raucherpausen gewährt, aber die Vernehmung wird langsam ungemütlich. Zwei Staatsanwältinnen und ein Staatsanwalt halten ihm immer neue Beweise vor, die seine bisherigen Aussagen widerlegen. Schmidt nimmt zehn Minuten Auszeit. Er berät sich mit seinem Verteidiger, er weiß jetzt, dass es so nicht weitergeht.

Werner Schmidt war einst der Chef der Bayerischen Landesbank, und er hat ein Geschäft zu verantworten, das den Freistaat 3,7 Milliarden Euro gekostet hat. Im Jahr 2007 kaufte die Landesbank die Kärntner Hypo Alpe Adria, eine grandiose Fehlspekulation.

Kriminalstück zwischen Finanz und Politik

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn und viele andere, wegen Untreue und Korruption. Als Schmidt nun zur Vernehmung zurückkehrt, sagt er, dass die Geschichte anders war, als er bisher zugeben wollte. Er sei kein Mensch, sagt er, der andere mit hineinziehe. Aber jetzt macht er es doch. Nun also die Wahrheit, endlich.

Allmählich lichtet sich der Nebel in diesem Kriminalstück zwischen Finanz und Politik. Was die Ermittler gesammelt haben, was Schmidt nun eingestehen muss, es erklärt, wie sich eine solide Bank wie die BayernLB so dramatisch verrannte.

Sie ist nur deswegen nicht pleite, weil der Freistaat die Verluste übernommen hat. Muss die Politik wieder einmal helfen, weil Manager versagt haben? In diesem Fall stimmt das nicht ganz. Denn die Politik, das zeigen die Einlassungen etlicher Verdächtiger, sie hat diese Katastrophe mitverursacht. Jenseits der Nachlässigkeit und Eitelkeit der Manager war auch die Nachlässigkeit und Eitelkeit der CSU-Regierung Edmund Stoibers im Spiel. Und die maßlosen Ansprüche des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider.