bedeckt München
vgwortpixel

Europas Finanzmärkte: Portugal:EZB - Ausputzer vom Dienst

Die Finanzkosten für Portugal erreichen die Schmerzgrenze von sieben Prozent. Inzwischen sind Euro-Anleihen riskanter als Kredite für Schwellenländer.

Finanzmärkte ändern ihre Meinungen im Sekundentakt, doch vergesslich sind sie nicht. Portugals Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos merkt das in diesen Tagen. Die Börsen halten dem Politiker einen Satz vor, den er im Oktober leichtfertig geäußert hat. "Wenn der langfristige Zinssatz für den portugiesischen Staat über sieben Prozent steigt", so der Minister damals, "dann braucht Portugal wohl internationale Unterstützung."

Portugiesische Euromünzen

Lissabon in Finanznot: Im Laufe des Montags lag der Kreditzins für Portugal plötzlich bei 7,3 Prozent.

(Foto: dpa)

So gesehen: Es ist soweit. Im Laufe des Montags lag der Kreditzins für Portugal plötzlich bei 7,3 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) musste erneut ausputzen. Wie Börsenhändler berichten, haben die Notenbanker portugiesische Staatspapiere gekauft - diese Nachfrage hat den Effekt, dass der Zins leicht sinkt. Auch bei irischen und griechischen Anleihen waren die Notenbanker aktiv. Auch hier droht Ungemach: Die Kreditzinsen könnten immer weiter steigen, neue Schulden kämen die Staaten immer teurer.

Denn so war es oft in den vergangenen Wochen. Die EU-Politiker redeten über Rettungen, gleichzeitig tauchten Informationen über neue Finanzlöcher auf. Die Zinsen stiegen und stiegen, manche Kurve ähnelt einem Fleischerhaken.

Die Markt-Interventionen der EZB sind aber nicht mehr als eine Feuerwehrhilfe - und keine langfristige Lösung. Innerhalb der Zentralbank sind die Ankäufe der Wertpapiere aus Krisenstaaten selbst sehr umstritten. Der deutsche Bundesbankchef Axel Weber ist strikt dagegen, er befürchtet Inflation.

Die EU steht politisch unter Zeitdruck. Zwar laufen die Bemühungen um einen umfassenden Stabilitäts- und Hilfspakt auf Hochtouren, doch schon in Kürze wird sich zeigen, wie es um die Kreditwürdigkeit zweier angeschlagener Mitglieder bestellt ist. Es ist die Woche der Entscheidungen. Portugal muss sich am Mittwoch, Spanien dann am Donnerstag an den Finanzmärkten weitere Milliarden Euro leihen. "Je höher der Zins, desto wahrscheinlicher ist es, dass Portugal und in der Folge auch Spanien unter den EU-Rettungsschirm muss", sagt Gernot Griebling, Anleihe-Experte der Landesbank Baden-Württemberg.