Europäische Zentralbank erhöht Zinsen:Auf Krawall gebürstet

Lesezeit: 2 min

Muss EZB-Chef Jean-Claude Trichet jetzt wirklich die Zinsen anheben und damit das Geld teurer machen? Die Entscheidung riecht nach Inflationshysterie alter Bundesbank-Schule und erzeugt Streit. Dennoch: Die EZB macht es richtig.

Alexander Hagelüken

Die Profession der Ökonomen verschanzt sich gerne hinter Begriffen, die kein Normalmensch versteht. Bei der Geldpolitik etwa raunen Eingeweihte von "Liquidität", "Überwälzung" oder "Zweitrundeneffekten" - und machen sich damit nur den Kundigen verständlich.

EZB hebt Zinssatz an

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet.

(Foto: dpa)

Was ärgerlich ist, weil kaum eine ökonomische Entscheidung so direkt auf die Menschen wirkt wie Zinsentscheidungen. So ist es auch beim aktuellen Schritt der Europäischen Zentralbank EZB, die wegen der Inflation den Preis für Kredite erstmals anhebt, seit 2008 die Finanzkrise eskalierte. Dieser Anfang einer mutmaßlichen Welle von Zinserhöhungen verändert das Leben von Millionen Unternehmern und Immobilienbesitzern - höhere Zinsen verteuern einen Hauskredit rasch um ein paar tausend Euro.

Der Vorstoß der Frankfurter Zentralbanker erzeugt Streit. Die Weltwirtschaft hat sich gerade von der Finanzkrise erholt. Nun drohen neue Schäden durch teureres Öl, den Atomunfall und Euro-Schwächlinge wie Portugal. Muss die EZB jetzt wirklich die Kreditzinsen anheben und auf diese Weise Investitionen von Firmen und Einkäufe von Konsumenten verteuern? Handelt es sich dabei nicht um Inflationshysterie nach alter Bundesbank-Schule, die geprägt war vom Trauma der Deutschen durch die Geldentwertung der 1920er Jahre?

Ja, würden US-Zentralbanker sofort sagen. Die Amerikaner betreiben schon lange eine ganz andere Zinspolitik. Sie riskieren, dass höhere Preise Ersparnisse entwerten und Verbraucher verunsichern. Sie überschwemmen die Nation mit billigen Krediten, um auf Teufel komm raus die Wirtschaft anzutreiben. Doch die Finanzkrise hat gezeigt, dass dabei wirklich der Teufel herauskommt. Die freigiebige Notenbank befeuerte all die Spekulationen und Hauskäufe auf Pump, die die Wirtschaft dem Abgrund entgegenführten, als die Blase platzte.

Die Europäische Zentralbank handelt daher richtig, nun die Zinswende einzuleiten und frühzeitig das Geld zu verteuern. Kredite sind so billig, dass es schon wieder zu ersten Börsenblasen etwa bei Rohstoffen kommt. Europas Inflation von deutlich über zwei Prozent könnte bewirken, dass Gewerkschafter sehr hohe Löhne durchsetzen - und so die Kosten der Firmen und die Preise weiter nach oben treiben, was die Ersparnisse von vielen Millionen Europäern gefährdet. Dagegen setzen die Zentralbanker ein Signal. Es fällt bei einem Zinsschritt von 0,25 Prozent so maßvoll aus, dass die Konjunktur kaum leiden wird.

Die schwierigste Aufgabe der EZB beginnt nun. Wegen der Inflation muss sie die Zinsen weiter anheben. Für die starke deutsche Wirtschaft wird das kein Problem sein. Doch die Euro-Zinsen gelten auch in Ländern wie Griechenland und Portugal, die dringend Wachstum brauchen, um ihre Schulden zu bezahlen. Darauf muss die Zentralbank Rücksicht nehmen und die Zinsen langsam erhöhen, weil die maroden Euro-Staaten sonst kollabieren.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema