EU stellt neue Anforderungen Stress mit den Stresstests

Erst sollte die Krisenprüfung der Banken ohne das Szenario eines Staatsbankrotts laufen. Nun wird nachgebessert - doch die Zeit wir immer knapper.

Von Simone Boehringer und Harald Freiberger

In den Chefetagen der europäischen Großbanken gibt es vorerst wohl Urlaubssperre. Denn in diesen Tagen werden sie von den Aufsichtsbehörden genau informiert werden, welche Zahlen sie für den Stresstest beibringen müssen. Diese sollen zeigen, dass die Banken auch unter Extremsituationen überleben und mit ausreichend Kapital ausgestattet sind.

Die europäischen Banken im Test.

(Foto: online.sdewirtschaft)

In einem ersten Schritt werden die Auswirkungen einer Rezession in Europa auf die Kredit- und Handelsbücher der Banken getestet. Dabei nehmen die Regulierer ein Schrumpfen der Wirtschaftskraft in zwei aufeinanderfolgenden Jahren an.

Hektik ist nun entstanden, weil die EU-Kommission nachbessern will. Auch das Szenario einer Staatspleite beziehungsweise eines darauffolgenden Kurscrashs am Anleihemarkt soll nun durchgespielt werden - entgegen den bisherigen Plänen.

Viele Faktoren wichtig

Als die Stresstests nach dem Niedergang der amerikanischen Investment Bank Lehman Brothers vor knapp zwei Jahren entwickelt wurden, "stand ein Staatsbankrott schlicht nicht im Raum. Das hat sich nun geändert", berichtet eine mit der Materie vertraute Person der SZ.

Bei den großen Ratingagenturen rechnet man schon seit Wochen mit der Einbeziehung staatlicher Schieflagen in die Härtetests. Was das im einzelnen für die großen Banken bedeutet, hängt dabei von vielen Faktoren ab: "Die Ergebnisse werden sich verschlechtern. Inwiefern, hängt davon ab, welche Krisenländer einbezogen werden und welche Annahmen über Abschläge auf die jeweiligen Anleihen in den Portfolien der Banken getätigt werden", sagt Michael Dawson-Kropf, Leiter der deutschen Bankenanalyse bei Fitch Ratings.

Die Agentur hatte im Mai schon einmal selbst einen Stresstest für französische Banken zu ihren Engagements in Griechenland gemacht und war zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Schieflage dieses kleinen EU-Landes für die Institute hätte meistern lassen. Sollten jedoch große Länder wie Spanien in die Stresstests der europäischen Aufseher miteinbezogen werden, sähe die Lage anders aus.

Deutsche Banken schneiden gut ab

In den vergangenen Tagen war durchgesickert, dass große deutsche Institute wie Deutsche Bank, Commerzbank oder die Bayerische Landesbank, bei den Tests gut abgeschnitten hätten. Dies bezog sich allerdings nach Informationen der SZ auf Prüfungen, die noch ohne Szenarien einer Staatspleite durchgeführt wurden. Die eigentlich heiße Testphase beginnt erst jetzt. Und die Aufseher machen sich schon Gedanken über die Auswirkungen, ohne das Ergebnis zu kennen. Der Grund: Wenn die EU-Kommission eine echte Pleite eines Staates oder einen Teilausfall von Anleihen (Haircut) simuliert, würde dies sofort Zweifel am europäischen Rettungsschirm wecken und damit neue Unsicherheit schüren.

Deshalb wollten die Aufseher bislang keinen kompletten Staatsbankrott testen, sondern nur, welche Auswirkungen steigende Preise von Ausfallversicherungen auf Staatsanleihen hätten. Stefan Best, Leiter der Bankenanalyse bei der Ratingagentur Standard & Poor's hegt grundsätzlich Zweifel an der Aussagekraft der geplanten Stresstests: "Wir erwarten, dass die Veröffentlichung keine besonderen Erkenntnisse bringen wird, da die Ergebnisse nur dann veröffentlicht werden können, wenn die Banken sie auch bestehen. Sollten Banken sie nicht bestehen, müsste man ja gleichzeitig veröffentlichen, wie man die Situation, etwa durch staatliche Hilfe korrigieren will."

Sollten Banken den Test unter harten Annahmen nicht bestehen, "kommt es darauf an, dass die EU-Kommission die Institute nicht allein lässt", findet auch Bankenanalyst Konrad Becker von Merck Finck. Sie müsse dann klar und konkret sagen, wie viele Milliarden die Bank bis zu welchem Zeitpunkt brauche, um ihre Eigenkapitaldecke zu stärken, damit sie nicht zum Problemfall werde.

Die in Deutschland mit den Tests betraute Aufsicht Bafin äußert sich nicht. "Kein Kommentar" zu Inhalt oder Fahrplan der Bankenprüfung ist der Behörde zu entlocken. Nur soviel ist sicher: Die Aufseher müssen sich sputen, sobald die Szenarien feststehen. Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde hat eine Veröffentlichung der Ergebnisse um den 23. Juli angekündigt. Bis dahin muss auch der Rettungsplan für Institute stehen, die durchfallen könnten.