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Ergo zeigt Ex-Manager an:Nachspiel einer Lustreise

Prostituierte für Versicherungsvertreter - aus Sicht der Ergo-Versicherung ist das Untreue, was ihre Vertriebsmanager in einem Budapester Hotel trieben. Jetzt hat das Unternehmen zwei Ex-Mitarbeiter angezeigt.

Die Lustreise der Versicherungsvertreter der Hamburg-Mannheimer nach Budapest beschäftigt nun auch die Justiz. Der Versicherungskonzern Ergo hat Strafanzeige gegen zwei frühere Manager der Hamburg-Mannheimer erstattet, sagte der Hamburger Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Die Anzeige des Konzerns richtet sich gegen Ulf Redanz, der damals im Vorstand der Hamburg Mannheimer für die Vertriebsorganisation HMI verantwortlich war, sowie gegen den ehemaligen HMI-Vertriebsdirektor Kai Lange.

Die Gellert-Therme in Budapest: Hier sollen sich HMI-Vertreter mit Prostituierten vergnügt haben.

(Foto: AP)

Die Strafanzeige ist am 28. Juni in Düsseldorf eingegangen, dort hat die Versicherungsgruppe Ergo ihre Sitz. Von dort wurde sie am 12. Juli nach Hamburg weitergereicht. Hier ist der Firmensitz der Tochterfirma Hamburg Mannheimer.

Inzwischen führten die Hamburger Fahnder ein förmliches Ermittlungsverfahren, so Möllers. "Die Strafanzeige erhebt den Vorwurf der Untreue zum Nachteil der Gesellschaft." Sollte es zu einer Anklage durch die Staatsanwaltschaft und einer Verurteilung kommen, drohen den angezeigten Ex-Mitarbeitern Geldstrafen und Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft Hamburg habe die Lustreisen nach Budapest bereits seit einiger Zeit im Blick gehabt, so Möllers. "Wir hatten hier bereits einen allgemeinen Prüfvorgang angelegt, bevor die Ergo Anzeige erstattet hat."

Die Enthüllungen über die Sex-Partys im Jahr 2007 hatten im Mai für Aufsehen gesorgt. 100 Mitarbeiter und Vertriebspartner der Hamburg-Mannheimer, die von der Ergo-Gruppe übernommen wurde, hatten im Jahr 2007 auf Kosten der Versicherung an einer Feier mit Prostituierten in Budapest teilgenommen. Der nun angezeigte Lange sagte dem Handelsblatt, er sei nur in der Diskothek gewesen und nicht in der Therme des traditionsreichen Gellert-Hotels, wo Mitarbeiter und bis zu 20 Prostituierte Sex gehabt haben sollen.

Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung sind wilde Feiern bei den Vertretern der Hamburg-Mannheimer nach wie vor Usus: Beobachter berichteten von strippenden Damen und "Klein-Budapest in Lüneburg".

Als die Geschichte über die Sex-Party bekannt wurde, verlor Ergo mit Fußballtrainer Jürgen Klopp auch ihren prominentesten Werbeträger. Er wirbt nicht mehr für das Unternehmen. Es war nicht die einzige Enthüllung, die in diesem Jahr das Image der Versicherung ankratzte: Bei Riester-Verträgen hatten Ergo-Berater Gebühren zu hoch berechnet haben. Das Unternehmen versprach den Geprellten Entschädigungszahlungen. Ergo-Chef Torsten Oletzky sah sich im Juni sogar gezwungen, seine Mitarbeiter in einem Brief zum Zusammenhalt aufzufordern.