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Ergänzungsbriefmarke:"Weißer Dreier" erzürnt Philatelisten

Standardbrief wird teurer

Drei-Cent-Briefmarke: Der Standardbrief wird teurer, die 55-Cent-Briefmarke muss mit dem "Weißen Dreier" nachgerüstet werden

(Foto: dpa)

Zum neuen Jahr erhöht die Post das Porto für den Standardbrief von 55 auf 58 Cent. Die Briefmarkensammler empören sich jedoch aus einem anderen Grund.

Das Streitobjekt sieht denkbar harmlos aus: eine kleine Briefmarke, auf der groß und grau die Ziffer "3" prangt. Die neue Marke mit dem bescheidenen Wert ist nötig geworden, weil die Post das Porto für den Standardbrief zum neuen Jahr von 55 Cent auf 58 Cent erhöht. Wer noch alte 55-Cent-Marken in der Schublade hat, muss künftig also eine Drei-Cent-Ergänzungsmarke daneben kleben.

Während den meisten Menschen herzlich egal sein dürfte, dass auf der neuen Marke kein Leuchtturm und auch kein blühendes Maiglöckchen abgebildet ist, sorgt sie bei Sammlern seit Wochen für Unmut. Grund: das von vielen als lieblos empfundene Design. Im Internet-Forum philaseiten.de meckern Briefmarkenfreunde über die "schlechteste Marke, die je herausgegeben wurde". Ein Sammler vergleicht sie mit einem "Rabatt-Sammelheft", ein anderer schreibt gar: "Mit diesem Entwurf hat die Deutsche Post die 'Goldene Zitrone' für die hässlichste Briefmarke der Welt des Jahres 2012 absolut sicher." Trotzdem kursiert in den Foren bereits ein Spitzname für das neue Wertzeichen: der "Weiße Dreier", analog zum "Schwarzen Einser", der ältesten deutschen Briefmarke.

Über das Design der Ergänzungsmarke mag sich Erhard Ansorge vom Landesverband Bayerischer Philatelisten-Vereine nicht aufregen: "Das muss man so nehmen, wie es ist." Ihn treibt eher das Empfinden um, dass die große Liebe, die Briefmarkensammler der Post entgegenbringen, von dieser nicht mehr erwidert wird. Das verwundert erst einmal, sind Sammler doch eigentlich ideale Kunden: Ein erheblicher Teil der von ihnen erworbenen Briefmarken wandert sofort ins Album, ohne dass die Post dafür eine Gegenleistung erbringen müsste.

"Die Briefmarke, wie wir sie kennen, ist ein Auslaufmodell"

Andererseits fällt das Geschäft mit den Sammlern bei mehr als 60 Millionen Briefen pro Tag kaum ins Gewicht: "Wirtschaftlich sind wir für die Post irrelevant", stellt Ansorge fest. Trotz dieser Einsicht empfinden es viele Sammler als Affront, dass in den wenigen Postfilialen, die es überhaupt noch gibt, nur noch Standardmarken verkauft werden und nicht mehr die in begrenzter Auflage gedruckten Sondermarken. Und dass man Postwertzeichen inzwischen am heimischen Computer selbst ausdrucken kann, ist für Philatelisten das Vorzeichen einer unheilvollen Zukunft. Ansorges Fazit: "Die Briefmarke, wie wir sie kennen, ist ein Auslaufmodell."

Vielleicht reagieren die Sammler aber auch deshalb oft so dünnhäutig, weil sie einer gefährdeten Spezies angehören. Wie bei vielen traditionellen Hobbys läuft es auch hier nach dem Prinzip: Die Alten sterben weg, Junge kommen kaum noch nach. Die Mitgliederzahlen der Bayerischen Sammlerklubs sind in den vergangenen zehn Jahren jedenfalls um die Hälfte zurückgegangen - und mit einer Kreation wie der Drei-Cent-Ergänzungsmarke wird gewiss kein kleiner Junge für das Hobby begeistert. Aber trotz allen Unmuts: Sammler bleibt Sammler. Bei Ebay wird die Drei-Cent-Ergänzungsmarke jedenfalls schon mit Ersttagsstempel gehandelt.