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Erbin einer Dynastie:Silvia Quandt geht an die Börse

An der Vermögensverwaltung Altira, die im Februar an die Börse geht, hält die Erbin von Herbert Quandt knapp zehn Prozent.

Julia Steinberg

Ausgerechnet einen Anzug tragenden Affen sah man auf dem Gemälde Big Business von Silvia Quandt, das in den siebziger Jahren in einer Düsseldorfer Galerie für Aufmerksamkeit gesorgt hatte.

Die Vermögensverwaltungs- gesellschaft Altira strebt an die Börse. Zehn Prozent daran hält die älteste Erbin der Quandt-Dynastie.

(Foto: Foto: AP)

30 Jahre später macht die älteste Erbin aus der Quandt-Dynastie wieder Schlagzeilen zum Thema Business: Die an die Börse strebende Vermögensverwaltungsgesellschaft Altira, die ab dem 7. Februar im Frankfurter Börsensegment Entry Standard an den Start gehen soll, gehört nicht nur zu knapp zehn Prozent der Quandt-Erbin, sondern ist unter anderem auch ihr Asset Manager.

Unter den Banken, die die Altira beim Börsengang begleiten, gehört zudem neben der Münchner VEM Aktienbank auch noch die Investmentboutique Silvia Quandt Bank. Hier hält die Erbin ebenfalls eine Minderheitsbeteiligung.

Familiäre Beziehungen

Die Beziehung der Quandt-Erbin zu der Frankfurter Altira "ist familiär", sagt Altira-Vorstand Christian Angermayer. Der Freund des Sohnes von Silvia Quandt sitzt nicht nur im Führungsgremium der AG, sondern leitet auch das Family Office der Erbin.

Mit 78 Prozent ist die Vermögensholding Angermayer, Brumm & Lange zudem Hauptaktionär von Altira. Neben ihr und Silvia Quandt verteilen sich die restlichen zwölf Prozent der Anteile auf Führungskräfte, Mitarbeiter und Geschäftspartner der Vermögensverwaltung.

Das Unternehmertum war nie das große Thema von Silvia Quandt. Die Tochter aus der ersten Ehe von Herbert Quandt hatte stets einen starken Hang zur Kunst: Die gebürtige Berlinerin studierte an der Akademie für das graphische Gewerbe in München und lebt auch heute noch als Künstlerin in München. Für ihre Werke, die dem sogenannten phantastischen Realismus zugeordnet werden, erhielt sie mehrere Preise.

Keine BMW-Anteile, aber gewaltiger Wertpapierbesitz

Die Erbansprüche seiner ältesten Tochter, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert, fand Herbert Quandt in den siebziger Jahren vorwiegend mit nicht-unternehmerischem Vermögen ab. Er übertrug ihr zwar insgesamt einen gewaltigen Wertpapierbesitz und eine Vielzahl von Immobilien, nicht jedoch Anteile an den beiden wertvollsten Firmen der Familie, BMW und Altana.

Am liebsten, so schreibt zumindest Rüdiger Jungbluth in der Biografie "Die Quandts", gibt die Erbin, die nun an die Börse geht, ihr Vermögen für ostasiatische Kunst und alte Uhren aus.

Der Börsengang der Altira AG wird sicherlich zu den kleinen Aktien-Emissionen in diesem Jahr gehören. Ab 29. Januar bietet das Unternehmen 380.000 Aktien zu einem Festpreis von je 28,50 Euro an. Die Aktien stammen vollständig aus einer Kapitalerhöhung, die Altaktionäre geben keine Anteile ab. Der Emissionserlös von 10,8 Millionen Euro soll komplett in den Ausbau des Geschäfts gehen.

Die 2003 gegründete Altira befindet sich nach Angaben Angermayers auf Wachstumskurs. Per Ende 2006 beliefen sich das verwaltete Vermögen auf rund 800 Millionen Euro, nach 361 Millionen Euro Ende 2005.

© SZ vom 23.01.2007
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