Entwicklungshilfe:China hängt die Weltbank als Kreditgeber ab

Hilfe mit Eigennutz: China vergibt inzwischen offenbar mehr Kredite an Entwicklungsländer als die Weltbank. Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt vergrößert so ihren Einfluss, etwa auf wichtigen Energiemärkten.

China hat einen neue globale Führungsposition erorbert: Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt hat in den vergangenen zwei Jahren offenbar mehr Kredite an Entwicklungsländer vergeben als die Weltbank, schreibt die britische Financial Times.

Neue ´Revolution" aus China: Yuan als Weltwährung

Die Konterfeis von Benjamin Franklin (hinten) und Mao Zedong auf amerikanischen und chinesischen Geldscheinen: China vergibt inzwischen höhere Kredite an Entwicklungsländer als die Weltbank.

(Foto: dpa)

Die Volksrepublik habe 2009 und 2010 insgesamt mindestens 110 Milliarden Dollar an Regierungen und Unternehmen aus der Dritten Welt verliehen, so die Finanzzeitung. Die Weltbank habe in diesem Zeitraum dagegen nur 100,3 Milliarden Dollar an Entwicklungsländer vergeben.

Das Blatt berief sich auf eigene Statistiken, die aus öffentlichen Mitteilungen von Banken, Kreditnehmern sowie der chinesischen Regierung zusammengestellt worden seien.

China selbst großer Empfänger von Weltbankkrediten

Während die Weltbank ihre Kredite oft an strenge Bedingungen wie politische Reformen knüpft, fordern Gläubiger wie die China Development Bank, die Export-Import Bank of China oder die Bank of China von den jeweiligen Ländern oft nur einen besseren Zugang zu Rohstoffen wie über Beteiligungen oder Liefergarantien.

Deshalb entschieden sich immer mehr Entwicklungsländer gegen die Hilfe von der Weltbank und für Kredite aus China, berichtete die Zeitung. Um diese Konkurrenz zu vermeiden, suche die Weltbank nun verstärkt nach Wegen, um mit China gemeinsam Kredite zu vergeben.

China war bislang selbst einer der größten Empfängerländer für Weltbankkredite: "Unter den Themen, die ich mit der chinesischen Seite diskutiert habe, ist auch die Frage, wie wir unsere jeweiligen Erfahrungen bei der Unterstützung anderer Entwicklungsländer wie in Südostasien oder Afrika austauschen können", sagte Weltbankpräsident Robert Zoellick bei einem Besuch Chinas im vergangenen Jahr.

Verstärkt Kredite an Energieexporteure

Die Volksrepublik habe bei der Ausweitung ihrer Kreditvergabe die Finanzkrise ausgenutzt, um kommerzielle Interessen der heimischen Energieversorger zu verfolgen, schreibt die Financial Times. Zu der Zeit als Kredite weltweit knapp wurden, sei es China leichter gefallen, sogenannte Oil-for-Loan-Geschäfte mit Energiexporteuren wie Russland, Brasilien oder Venezuela abzuschließen.

Weitere Kredite seien an einen indischen Konzern geflossen, um Kraftwerksanlagen einzukaufen. Zudem seien Infrastrukturprojekte in Ghana und Eisenbahnen in Argentinien unterstützt worden.

© sueddeutsche.de/Reuters/pak/aum
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