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Energieversorger:Nicht blenden lassen

Strom- und Gasanbieter werben mit Superlativen um Kunden. Aber oft sind die Schnäppchen gar keine. Worauf es beim Wechsel des Versorgers ankommt.

Wenn der Strom- oder Gaslieferant wieder einmal eine Preiserhöhung ankündigt, haben viele Verbraucher genug: Sie wollen den Anbieter wechseln. Rein formal sei das ganz einfach, sagt Annabel Oelmann, Vorstand und Energieexpertin der Verbraucherzentrale Bremen: "Ist ein neuer Versorger gefunden, müssen Sie nur mit diesem einen Vertrag abschließen. Alles Weitere erledigt er für Sie." Verbraucher dürften ihren Strom- oder Gaslieferanten frei wählen, egal ob man in eine neue Wohnung ziehe oder einen bestehenden Liefervertrag für dieselbe Wohnung beenden wolle.

Den Versorger zu finden, ist schon schwieriger. Oft lasse sich zwar mit einem Anruf beim örtlichen Versorger und der Frage nach einem preisgünstigeren Tarif Geld sparen. Allerdings änderten sich mit dem Wechsel von der Grundversorgung in einen Sondervertrag in der Regel auch Vertragskonditionen, etwa Vertrags- und Folgelaufzeiten oder Kündigungsfristen.

Hilfreich bei einem Wechsel seien Tarifrechner im Internet, mit denen man nach Eingabe des persönlichen Jahresverbrauchs und der Postleitzahl einen Vergleich der aktuellen Preise verschiedener Versorger erhält. Neben dem Preis sollten aber auch die weiteren Vertragsbedingungen wie Bonus, Laufzeit und die Anzahl der Abschläge genau unter die Lupe genommen werden, mahnt die Expertin.

Viele Kunden betrieben den Anbieterwechsel inzwischen als Sport und suchten sich vor Vertragsablauf einen neuen Anbieter, der mit hohen Bonuszahlungen werbe. Doch ob "Sofortbonus", "Neukundenbonus" oder "Frei-Kilowattstunden" - man solle sich von solchen Angeboten nicht blenden lassen, möglicherweise seien Grund- und Kilowattstundenpreis deutlich höher als beim derzeitigen Anbieter.

Eine feste Bindung an den neuen Anbieter für 24 Monate könne teuer werden, kurze Mindestvertragslaufzeiten und kurze Kündigungszeiten seien meistens die bessere Wahl. Wichtig sei auch, auf die Abschläge zu achten. Manche Berechnungen hätten für ein Jahr elf Abschläge vorgesehen, andere Anbieter gingen von zwölf Abschlägen aus. Daher sollten Verbraucher nachprüfen, ob die Abschlagsberechnung plausibel sei und vor hohen Nachzahlungen am Jahresende schütze.

Auch wenn der Vergleich der Anbieter aufwendig sei, bräuchten Verbraucher den Wechsel nicht zu fürchten. Schon gar nicht müssten sie Angst haben, auf eine "schwarze Liste" zu kommen und nicht mehr zum alten Anbieter zurückkehren zu dürfen. Oelmann: "Keiner wird im Dunkeln oder Kalten sitzen!" Selbst wenn der neue Anbieter nicht mehr liefern könne, steige der Grundversorger wieder ein. Dann vielleicht nicht zum günstigsten Tarif - aber man könne ja wieder wechseln.

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Quelle:
SZ vom 30.06.2017
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