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Ilse Aigner im Interview:"Die Verbraucher machen es den Konzernen sehr leicht"

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kritisiert die monopolistische Machtstruktuern - aber auch die Verbraucher. Diese seien zu gemütlich und informierten sich zu wenig über günstigere Strompreise.

Das Büro von Ilse Aigner, 46, ist sonnendurchflutet und sehr warm. "Moment", sagt die CSU-Ministerin beim Eintreten, "ich stelle die Klimaanlage an." Ihr Pressesprecher macht sie scherzend darauf aufmerksam, dass das nicht gerade umweltfreundlich ist. Aigner zögert kurz, zuckt dann mit den Schultern und sagt: "Tja."

Pressekonferenz Bundesverbraucherschutzministerin Aigner zum Safer Internet Day

Es gebe zu viele selbst ernannte kaffeesatzlesende Experten zum Thema Atomausstieg, die Zahlen in die Welt posaunen, so Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner.

(Foto: ddp)

SZ: Frau Aigner, wovor müssen Sie die Verbraucher mehr schützen: vor Atomkraftwerken oder vor steigenden Strompreisen?

Aigner: Man kann nicht den einen Aspekt gegen den anderen ausspielen. Ich will beides - sichere Energie zu bezahlbaren Preisen.

SZ: Wie soll das gehen? Mit dem Atomausstieg wird Strom knapper. Wenn ein Gut knapp wird, wird es teurer, das ist doch logisch.

Aigner: Sicher, die Preise ziehen an, wenn weniger Strom auf dem Markt ist. Aber gerade deshalb müssen wir uns genau überlegen, wie schnell wir tatsächlich komplett auf Atomenergie verzichten können. Die Konzerne werden versuchen, alle mit der Energiewende verbundenen Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Je schneller wir aussteigen, ohne bereits genügend Alternativen zu haben, umso stärker könnten die Preise steigen.

SZ: Wie teuer wird denn der Ausstieg für die Verbraucher?

Aigner: Seriös kann das jetzt noch keiner sagen.

SZ: Verschiedene Institute haben schon mal gerechnet. Eines kommt zum Ergebnis, dass Privatkunden in 15 Jahren fast 60 Prozent mehr für Strom bezahlen müssen.

Aigner: Wir haben doch noch gar nichts beschlossen. Mich ärgert, dass selbsternannte Experten jeden Tag auf's Neue irgendwelche Zahlen in die Welt setzen. Solche Preisprognosen sind pure Kaffeesatzleserei. Schließlich gibt es noch jede Menge offene Fragen: Bis wann genau wollen wir weg vom Atomstrom? Wie kann er ersetzt werden? Welche Leitungen benötigen wir? Wer finanziert sie? Wie viel Strom können wir noch einsparen? Also: Wie viel Strom benötigen wir überhaupt?

SZ: Tatsächlich viele offene Fragen für gerade mal vier verbleibende Wochen. Anfang Juni will das Kabinett über die Energiewende entscheiden.

Aigner: In der Tat ein ehrgeiziger Zeitplan. Aber da wir alle das gleiche Ziel haben, werden wir eine Lösung finden.

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