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Energieexperten schlagen Alarm:Adieu, billiges Öl

Horrorszenario der Internationalen Energie-Agentur: Nach der Ölpest im Golf von Mexiko sind Engpässe und steigende Preise wahrscheinlich. Nötig ist nicht weniger als eine Energierevolution.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) schlägt nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Alarm und erwartet weitreichende Folgen für die globale Ölversorgung. "Die Kosten werden definitiv ansteigen", warnt Agenturchef Nobuo Tanaka im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Nötig sei eine Energierevolution.

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Nach der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko warnt die Internationale Energie-Agentur vor Engpässen und steigenden Ölpreisen.

(Foto: getty)

Selbst zweieinhalb Monate nach der Explosion der BP-Ölplattform Deepwater Horizon ist noch immer kein Ende der Umweltkatastrophe in Sicht. Aus dem Leck fließen seitdem täglich bis zu neun Millionen Liter Öl. Die Führung der einflussreichen Internationale Energieagentur warnt nun eindringlich vor den Folgen für die Weltwirtschaft.

So könnte die Ölförderung von zwei Seiten unter Druck geraten: Einerseits würde die Förderung nun teurer, etwa durch neue Auflagen und höhere Versicherungsprämien, warnte Tanaka. Andererseits könnte sich die Erkundung neuer Felder verzögern. "Die Kosten werden definitiv ansteigen, das Risiko auch und damit die kosten der Versicherung", sagte Tanaka.

Die Reserven schmelzen dahin

Der Chefvolkswirt der Organisation, Fatih Birol, geht noch weiter. "Die Ära billigen Öls geht zu Ende", sagte er der SZ. Auch ernsthafte Engpässe seien nach der Katastrophe möglich. Die internationale Organisation, in der sich 30 große Verbraucherstaaten unter dem Dach der OECD zusammengeschlossen haben, beobachtet seit Wochen, wie sich der Unfall auf die Wirtschaft auswirkt.

Sollten sich weltweit alle Bohrungen im Meer verzögern, könnten mittelfristig täglich eine Million Barrel Öl fehlen, warnte Tanaka. Schon jetzt erwarte die Organisation, dass die weltweiten Reservekapazitäten bis 2015 von derzeit sechs auf vier Millionen Barrel am Tag zurückgehen. "Eines von vier Millionen Barrel ist spürbar", sagte Tanaka. "Wir werden das sehr genau beobachten müssen."

Weil die globalen Ölvorkommen in wenigen Jahren abnehmen, der Verbrauch aber weltweit rasant steigt, warnen Experten seit längerem vor der Gefahr von globalen Engpässen. Heute stammten bereits 30 Prozent der Rohölproduktion aus Meeresbohrungen, so Tanaka. "Wovon der Anteil der Tiefeseebohrungen in Zukunft sicherlich noch steigen wird." Aber gerade die sind seit dem BP-Desaster in der internationalen Kritik. Ohnehin ist längst fraglich, ob die Quellen tatsächlich so stark sprudeln wie gedacht.

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