Einsame Insel:Dringend Bewohner gesucht

Nur 15 Menschen wohnen auf der schottischen Insel Canna. Ihr größter Wunsch: neue Nachbarn.

Es ist nicht eben so, dass auf Canna wenig Leben herrscht: 157 verschiedene Vogelarten sind auf der kleinen schottischen Insel zu Hause, mehrere seltene Schmetterlinge gibt es hier, und an der Südküste lebt eine große Kolonie Papageientaucher. An manchen Tagen werden dort oben im Atlantik sogar Haie gesichtet.

Einsame Insel: Die schottische Insel Canna: Postkarten-Idylle ein Leben lang.

Die schottische Insel Canna: Postkarten-Idylle ein Leben lang.

(Foto: Foto: dpa)

Nur Menschen gibt es auf Canna kaum. 15 Bewohner hat die Insel noch. Die Gemeinde sucht jetzt rund um den Globus nach neuen Nachbarn - und es sieht so aus, als ob sie mit der Aktion Erfolg haben wird.

Der National Trust for Scotland (NTS), dem das 1500 Hektar große Eiland gehört, bietet auf der Hebriden-Insel zwei Häuser zu günstigen Konditionen zur Miete an. Seit dem ersten Hilferuf wird die gemeinnützige Organisation, die sich um Naturschutz und Denkmalpflege kümmert, mit Anfragen von zivilisationsmüden Festlandmenschen überhäuft. Tausende sind es schon. Auch aus Deutschland haben sich Interessenten gemeldet, und sogar schon aus Indien, Neuseeland und den USA.

Man kann sie verstehen. Für Leute, die die Einsamkeit suchen, gehören die Hebriden vor der schottischen Nordwestküste zu den schönsten europäischen Regionen. Auch die Queen war dort in diesem Sommer wieder mit der gesamten Familie auf Kreuzfahrt unterwegs. Auf den bekannteren Inseln wie Mull, Skye oder Jura ist zur Hauptsaison kaum noch ein Zimmer zu bekommen. Aber anderswo hat man immer noch kilometerlange Sandstrände für sich allein.

Canna - acht Kilometer lang, anderthalb Kilometer breit - gehört noch zu den unentdeckten Schönheiten. Eine Straße gibt es dort (für vier Autos), eine Grundschule (mit einer Schülerin), ein Postamt und eine Teestube. Aber kein einziges Geschäft, keinen Pub, keinen Arzt.

Handys haben keinen Empfang, und die Fähre vom Festland kommt nur drei Mal die Woche. Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt.

Früher lebten hier einmal um die 300 Menschen. Jetzt sind es nur noch 15, und außerhalb der Ferienzeiten sogar nur zwölf: Drei Kinder gehen auf dem Festland ins Internat. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung trägt den Nachnamen MacKinnon. Die Familie ist schon seit dem 18. Jahrhundert auf Canna ansässig und will auch nicht weg. Aber im vergangenen Winter, der besonders ungemütlich war, merkten die MacKinnons und die anderen, dass es ohne Zuwachs nicht mehr geht.

"Wir haben festgestellt, wie isoliert wir sind", sagt die Farmerin Geraldine MacKinnon (43). "Wenn wir Hilfe brauchen, ist einfach keiner da." Gesucht werden nun Leute mit praktischen Fähigkeiten: Helfer für die Landwirtschaft, Handwerker, aber auch jemand, der eine kleine Pension für Feriengäste betreiben könnte. Aber vor allem: Junge Familien, die sich dauerhaft auf Canna niederlassen und neues Leben auf die Insel bringen.

Allerdings warnt der NTS, dass der Alltag mit der Vorstellung vom romantischen Inselleben nicht viel zu tun hat. "Das Leben kann sehr anstrengend sein", sagt NTS-Direktor Alex Lindsay. "Die Winter sind dunkel und lang. Für Leute, die das nicht gewohnt sind, kann das sehr hart sein." Außerdem bläst über Canna fast unablässig der Wind. Manchmal kann die Fähre tagelang nicht anlegen.

Trotzdem sind die Insulaner inzwischen zuversichtlich, dass das 150 Jahre alte Haus Tighard und der Neubau Taigh Buel na Fadhlach bald neue Bewohner haben werden. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 10. November, aber es gibt bereits mehr als 350 ernsthafte Interessenten. Die Entscheidung will der NTS zwischen einem halben Dutzend Familien treffen, die zur Endauswahl nach Canna eingeladen werden. Die 15 Dauerbewohner haben dabei ein Mitspracherecht.

© Christoph Sator, dpa
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