Einlagensicherungsfonds Wenn die eigene Bank pleitegeht

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Ein Kunde der insolventen Weserbank erzählt, wie der Einlagensicherungsfonds griff und er trotz der Pleite ans Ersparte kam.

Von Hannah Wilhelm

Derzeit bangen Bankkunden um ihr Erspartes - die Finanzkrise hat das Vertrauen der Menschen in ihre Hausbank getrübt. Und wohl selten ist so viel über die Einlagensicherung der Banken geschrieben worden wie in den vergangenen Tagen.

Eine Szene aus dem April 2008: Bankkunden stehen vor geschlossenen Türen der Weserbank.

(Foto: Foto: ddp)

Tobias Schucht weiß, wie es ist, entschädigt zu werden. Der 34-Jährige war Kunde der Weserbank, die die Bankenaufsicht Bafin im April dieses Jahres wegen Überschuldung geschlossen hatte. Insgesamt lagen 26 Millionen Euro von 2800 Kunden bei dem Bremerhavener Kreditinstitut.

"Ich wollte ganz besonders schlau sein

Tobias Schucht hatte 10.300 Euro von seinem Onkel überschrieben bekommen - ein Zuschuss für ein Haus, auf das der Vater zweier Kinder sparte. Weil er auf Nummer sicher gehen wollte, teilte er das Geld auf: 5150 Euro legte er auf ein bestehendes Tagesgeldkonto, die anderen Hälfte auf ein neu eröffnetes bei der Weserbank. 3,6 Prozent Zinsen sollte es dort geben.

"Ich habe bei der Entscheidung extra darauf geachtet, das Geld bei einer deutschen Bank abzulegen - wegen der Einlagensicherung'', sagt Schucht, der als Pressereferent arbeitet. "Ich wollte ganz besonders schlau sein.'' Rückblickend muss er darüber lachen.

Am Nachmittag des 8. April 2008 war ihm dagegen gar nicht zum Lachen zumute. Da erfuhrt er aus dem Internet, dass die Finanzaufsicht Bafin die Weserbank geschlossen hatte. Da machte er sich doch plötzlich Sorgen um sein Geld - Einlagensicherung hin oder her. An sein Konto kam er nun nicht mehr, alles war gesperrt. Er rief bei der Bank an und landete in einem Callcenter der Bafin. Dort beruhigte man ihn: Mit der Einlagensicherung sei alles in Ordnung, er werde über das weitere Vorgehen informiert.

Post von der Bafin

Und so war es dann auch: Schucht bekam Post von der Bafin. "Ich musste - relativ formlos - angeben, wie viel Geld ich bei der Weserbank investiert hatte und auf welches Konto ich den Betrag erstattet bekommen möchte. Das war wirklich überraschend unkompliziert."

Ein bisschen verwirrt war er, weil ab und zu merkwürdige Kontoauszüge von der Weserbank ins Haus trudelten. Mal stand da -5150 Euro, mal +5150 Euro darauf - aber "na ja", dachte er sich, "so eine Bank abwickeln, das machen die ja auch nicht jeden Tag".

Vertrauen ins System

Es ging dann auch alles gut. Rund zwei Monate nach der Pleite der Weserbank, kam eine Überweisung auf Schuchts Girokonto: 5250,19 Euro - also 5150 Euro plus Zinsen. Im Betreff stand: "Bundesverband deutscher Banken Einlegerentschädigung". Das Geld kam aus zwei verschiedenen Quellen - so ist es bei der deutschen Einlagensicherung geregelt.

90 Prozent der Summe waren gedeckt durch die gesetzliche Entschädigungseinrichtung, den Rest übernahm der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken, bei dem die Weserbank Mitglied war. Davon bekam der junge Mann aber nichts mit. "Ich habe die Summe mit einem Mal erhalten", erklärt er. Wirklich schlimm fand er den Vorfall nicht - "Hauptsache ist doch, ich habe mein Geld wieder." Blöd wäre es nur gewesen, falls er das Geld in der Zeit zufällig gebraucht hätte. Hat er aber zum Glück nicht. Sein Vertrauen in das System hat nicht gelitten - und das Geld liegt wieder auf einem Tagesgeldkonto. Bei einem Institut mit deutscher Einlagensicherung.