Einkommensteuer für Ehepaare Lukrative Klassenfrage

Ehepaare könnten vom Finanzamt eine Art schönen Kredit bekommen. Einzige Bedingung: Sie müssen rational handeln. Wenn da nur nicht die teuflischen Emotionen im Spiel wären.

Von Claus Hulverscheidt

Als der Teufel einst darüber sinnierte, wie er wohl dauerhaften Unfrieden zwischen den Geschlechtern stiften könne, da schuf er den Paragraphen 38b des deutschen Einkommensteuergesetzes. Der unscheinbare Passus teilt die Bürger in Steuerklassen ein - und ist ein steter Quell von Frust, Ärger und Beziehungsstreit. Er sorgt nämlich dafür, dass die ohnehin bestehenden Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen durch das Wirken des Finanzamts noch potenziert werden. Manch junger, Teilzeit arbeitender Mutter bleibt da am Ende netto nicht einmal genug, um den Babysitter bezahlen zu können. Viele verzichten deshalb von vornherein auf einen Job.

Einkommensteuererklärung: Auch wenn die Steuerbelastung bei der Wahl verschiedener Steuerklassen identisch ist, kann der emotionale Unterschied immens sein.

(Foto: dpa)

Ehepartner können generell wählen, ob sie beide in der Steuerklasse IV geführt werden oder ob sich einer in Klasse III und der andere in Klasse V einstufen lässt. Die Steuerbelastung ist letztlich in beiden Fällen identisch, der emotionale Unterschied aber immens: Bei der Kombination IV/IV, die für Eheleute mit ähnlich hohen Verdiensten sinnvoll ist, behandelt der Staat beide Partner gleich. Im Fall III/V hingegen tritt der Schlechterverdiener - also meist die Frau - seine Freibeträge an den Partner ab und übernimmt zudem dessen Höchststeuersätze.

Zusammengenommen fällt das monatliche Nettoeinkommen des Paares damit zunächst höher aus als bei der Variante IV/IV. Die Gehaltsabrechnung der Frau aber vermittelt ein gänzlich anderes Gefühl: Trotz des eigenen Verdienstes muss sie den Ehemann um Geld anbetteln.

Gefahr des dicken Endes

2010 gab es für die Klasse-V-Beschäftigten einen Lichtblick. Anders als bisher stellte das Finanzamt einen Teil ihrer Beitragszahlungen zu den Sozialkassen schon während des Jahres steuerfrei. Dadurch erhöhte sich das Nettogehalt - und die Gefahr eines dicken Endes: Viele Paare müssen sich nämlich jetzt im Zuge der anstehenden Steuererklärung für 2010 auf eine hohe Nachforderung einstellen.

Nach Berechnungen des Verbands der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) kann diese Nachzahlung bei Eheleuten mit Bruttojahresgehältern von 35.000 und 15.000 Euro leicht bei 900 Euro liegen - und damit dreimal so hoch wie im Jahr zuvor. Gehen die Einkommen noch weiter auseinander, sieht die Sache noch übler aus.

Wer solch böse Überraschungen vermeiden will, sollte laut NVL die Steuerklassenkombination IV/IV und das sogenannte Faktorverfahren beantragen. Dabei schätzt der Fiskus die zu zahlende Steuer schon im Vorfeld, wodurch die Gefahr einer Nachzahlung deutlich sinkt. Allerdings steigt die monatliche Belastung des Besserverdieners erheblich an.

Steuern - ein irrationales Sujet

Die Alternative wäre ein Bewusstseinswandel. Gelänge es nämlich, das Thema nüchtern zu betrachten, wäre die Variante III/V für Paare geradezu ideal. Über das Jahr hinweg ist der gemeinsame Nettoverdienst höher als bei allen anderen Kombinationen. Zudem gewährt der Staat praktisch einen zinslosen Kredit, den die Eheleute via Steuernachzahlung tilgen.

Steuern aber sind - anders als meist behauptet wird - ein höchst irrationales Sujet, wie die Freude fast aller Menschen über den umgekehrten Fall, die Steuererstattung, zeigt. Wem sonst außer dem Finanzminister würde man ein ganzes Jahr über zinslos Geld leihen? "Wer sich vorbereitet, das nötige Geld zur Seite legt und die 15-Monatsfrist zur Abgabe der Steuererklärung einhält, für den empfiehlt sich eindeutig die KombinationIII/V", sagt NVL-Geschäftsführer Uwe Rauhöft. Außer dem Geld müsste man allerdings auch alle Emotionen beiseitelegen. Genau da jedoch ist oft der Teufel vor.