Süddeutsche Zeitung

Einkaufen im Internet:Bildschirm an, Gehirn aus

Etwa 35 Millionen Menschen nutzen in Deutschland das Internet zum Einkauf. Für unbedachte Nutzer birgt das Online-Shopping Gefahren. Eine Übersicht über Rechte und Risiken.

Fabian Heckenberger

Schwarz und verlockend schimmerte der Sportwagen auf dem Bild im Internet. Ein Anbieter hatte den neuen Audi TT ins Netz gestellt, für 6000 Euro. Der Wagen müsse schnell verkauft werden, schrieb der Mann. Ihm stehe ein Scheidungsprozess bevor, er wolle verhindern, dass die künftige Exfrau das Auto bekomme. Wer als Erster den Betrag auf ein Konto in London überweise, erhalte den Zuschlag.

Etliche Kunden schickten dem Unbekannten die Summe. "Bei manchen Käufern schaltet sich vor dem Bildschirm der gesunde Menschenverstand ab", sagt Jutta Gurkmann vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, wo der Fall gemeldet wurde. Was die Vorsicht bei Online-Einkäufen angeht, gibt es in Deutschland noch Nachholbedarf.

Wo kaufen Online-Kunden ein?

Etwa 35 Millionen Menschen nutzen in Deutschland das Internet zum Einkauf. Ein Großteil davon besucht die Seiten bekannter Portale, wie Ebay oder Amazon. Aber auch immer mehr Einzelhändler eröffnen eine eigene Verkaufstheke im Netz.

Laut einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes betreibt jedes vierte Geschäft in Deutschland einen Online-Shop. Auf das professionelle Layout einer Seite können sich Käufer nicht verlassen. Bei unbekannten Firmen- und Geschäftsnamen sollten Kunden die Allgemeinen Geschäftsbedingungen kontrollieren und prüfen, ob auf der Seite Informationen zum Eintrag ins Handelsregister einsehbar sind. Die Preise sollten deutlich ausgewiesen sein, ohne Anmerkungen und Kleingedrucktes.

Das Gleiche gilt für die Versandkosten. Bei Internet-Händlern im Ausland sollten Nutzer besonders genau darauf achten, welche Transportkosten, Zölle oder Überweisungsgebühren anfallen könnten. Bewertungen von Kunden, die mit früheren Einkäufen angeblich zufrieden waren, bieten Orientierung, allein darauf verlassen sollte man sich aber nicht.

Wie wird bezahlt?

Meist gibt es vier Möglichkeiten der Bezahlung: Vorabüberweisung, Nachnahme, per Kreditkarte oder über speziell für den Online-Einkauf entwickelten Zahlsystemen wie Paypal, Giropay oder Click-and-Buy. Die Bezahlung auf Rechnung bieten die Händler meist nur registrierten Kunden an. Studien zeigen, dass die Skepsis gegenüber den Zahlsystemen abnimmt, wohl auch deswegen, weil der Kunde nicht bei jedem Einkauf per Mausklick die Kreditkarte zücken oder ein Überweisungsformular ausfüllen will.

Bei Paypal, das vor allem über die Kooperation mit Ebay bekannt wurde, sind in Deutschland knapp 15 Millionen Menschen registriert. Wer sich dort anmeldet, gibt einmalig seine Konto- oder Kreditkartendaten an. Die Identifizierung erfolgt per E-Mail oder über die einmalige Abbuchung eines Cent-Betrags und dessen Rückmeldung an das Unternehmen.

Bei einem Einkauf transferiert das Bezahlunternehmen die Summe mit der Geschwindigkeit einer E-Mail auf das Konto des Händlers. Bei sogenannten Micro-Money-Systemen, wie sie etwa die Telekom anbietet, kauft der Kunde eine Prepaid-Karte oder überweist Guthaben auf einen Account. Von dort wird dann die Kaufsumme abgebucht, anonym und ohne Angabe der Konto- oder Kreditkartendaten.

Welche Rechte hat der Käufer?

Da der Kunde das Produkt beim Einkauf im Netz nur am Bildschirm sieht und nicht testen kann, räumt ihm der Gesetzgeber in Paragraf 355 des Bürgerlichen Gesetzbuches ein Widerrufs- und Rückgaberecht von 14 Tagen ein, ohne dass der Kunde einen Grund angeben oder reklamieren muss. Die Frist läuft meist ab dem Tag, an dem der Kunde die Ware erhält. Ausgeschlossen sind wenige Waren wie frische Lebensmittel, Heizöl, Arzneimittel, entsiegelte Software oder Sonderanfertigungen.

Liegt der Warenwert über 40 Euro, muss der Verkäufer die Rücksendekosten tragen. Widerruf ist per Brief, E-Mail oder Fax möglich. Die Versandbestätigung sollte aufbewahrt werden. Als Widerruf gilt auch, wenn der Kunde die Ware innerhalb von 14 Tagen kommentarlos zurückschickt. Allerdings muss das Produkt in gutem Zustand sein. "Mit dem neuen Fahrrad kann man schon eine Probefahrt auf der Straße machen, den Waldweg sollte man aber meiden", sagt Online-Rechtsexperte Lutz Wilde von der Stiftung Warentest.

Wie sicher ist Online-Shopping?

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden bislang sechs Millionen Deutsche Opfer von Betrügereien beim Online-Shopping, bei Privatverkäufen und Auktionen. Für den Einkauf im Netz gelten die grundsätzlichen Sicherheitshinweise: Ein aktuelles Virenprogramm sollte installiert sein und ein verschlüsseltes Netz genutzt werden.

Persönliche Daten sollten nur eingetippt werden, wenn die Übertragung per SSL-Protokoll geschützt ist. Die Informationen werden dann verschlüsselt übertragen, die Identität des Servers steht fest, und es wird überprüft, ob die Daten vollständig und unverändert ihren Empfänger erreichen. Zu erkennen sind solche Seite am Vorsatz https:// statt nur http:// oder an einem symbolischen Schloss in der Browserzeile. Bank-Pins und Tan-Nummern sollten nie auf der Seite eines Händlers eingegeben werden.

Gütesiegel können ein Hinweis auf einen seriösen Anbieter sein. Allerdings gibt es diverse Zertifikate. Das Bundesjustizministerium empfiehlt fünf Siegel: Trusted Shops, Tüv Süd, IPS-Datenschutz, das EHI-Institutssiegel und das Zertifikat des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels. Die Sicherheit der Bezahlsysteme hängt von den einzelnen Anbietern ab. Grundsätzlich gilt: Passwörter nicht doppelt verwenden und nur so wenig Informationen wie nötig preisgeben.

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Quelle:
SZ vom 11.12.2010/aum
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