Einbruch der Finanzmärkte In den USA herrscht Angst vor dem Beginn des "Tapering"

Ein neues Wort macht die Runde auf den Finanzmärkten: "Tapering". Das Verb "to taper" heißt so viel wie "etwas auslaufen lassen" und genau darum geht es: Um die Furcht, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit dem "Tapering" beginnen und ihr gigantisches Programm zur Geldvermehrung ("Quantitative Easing") auslaufen lassen könnte. Bisher kauft die Fed jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Wertpapiere und schöpft dadurch neues Geld. Niemand weiß genau, was passiert, wenn die Fed das Programm zurückfährt. Dies ist die eigentliche Ursache der jüngsten Turbulenzen an den Weltbörsen.

Die Wende kam am 22. Mai. An diesem Tag legte der Chef der Fed, Ben Bernanke, dem Kongress seinen Halbjahresbericht vor. Für sich genommen war dieser Bericht unspektakulär. Die Fed werde nicht voreilig handeln, aber dann weniger frisches Geld schaffen, wenn der Arbeitsmarkt "nachhaltige Besserung" zeige. Im Kontext der unsicheren Weltkonjunktur reichte diese Andeutung der Andeutung einer Änderung aus, um die Märkte nachhaltig zu verunsichern. Die Fragen dahinter: Ist der Aufschwung in den USA schon so stark, dass er höhere Zinsen aushält? Und was würde ein Kurswechsel der Fed für die labile Weltwirtschaft bedeuten? Der Dow-Jones-Index erreichte an jenem 22. Mai seinen bisherigen Höchststand von 15 542 Punkten. Seither geht der Trend nach unten - mit extremen Ausschlägen in beide Richtungen. Am Mittwoch unterschritt er die wichtige Marke von 15 000 Punkten. Am Donnerstag stabilisierte sich die Lage etwas, der Dow startete unverändert.

Die eigentliche Wende hatte zuvor auf den Märkten für Anleihen stattgefunden. Als die ersten Spekulationen über "Tapering" einsetzten, begannen Anleger damit, ihr Geld aus US-Staatsanleihen ("Treasurys") abzuziehen. Die Kurse sanken, die Zinsen stiegen spiegelbildlich von 1,61 Prozent Anfang Mai auf bis zu 2,27 Prozent.

Genaueres werden die Spekulanten vermutlich am Mittwoch nächster Woche wissen. Dann stellt sich Bernanke nach einer Fed-Sitzung den Fragen von Journalisten. Er wird dann andeuten, so die Spekulationen, dass der tatsächliche Kurswechsel in der Geldpolitik im September kommen könnte. Sicher ist das nicht.