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Dispokredit und Überziehungszinsen:Hohe Gebühren für Leben auf Pump

Im zweiten Musterfall der Untersuchung geht es um eine Person mit Geldproblemen. Immerhin jeder zehnte Haushalt in Deutschland gibt an, mit dem monatlichen Einkommen "schlecht" oder "sehr schlecht" zurechtzukommen. Als Prototyp dafür hat Keßler einen Single gewählt, der 1800 Euro netto pro Monat verdient und seinen dreimal so großen Dispo von 5400 Euro intensiv nutzt. Tag für Tag ist er mit seinem Girokonto mit mindestens 4200 Euro in den Miesen. Er macht aber in der Regel keine neuen Schulden. Nur einmal überschreitet er wegen einer Autoreparatur für 26 Tage den Disporahmen um im Schnitt 2786 Euro, schafft es im selben Monat aber, die Obergrenze wieder zu unterschreiten.

In diesem Fall zeigt sich, warum das Thema "überhöhte Dispozinsen" sogar in den vergangenen Bundestagswahlkampf gelangte: Die Kosten schnellen in diesem Fall hoch. Selbst beim günstigsten Institut, der Skatbank, sind fürs ganze Jahr noch etwa 243 Euro fällig, gefolgt von der PSD-Bank Berlin Brandenburg mit 330 Euro und der ING-Diba mit 395 Euro. Bei den Großbanken und großen Sparkassen kann so ein Leben auf Pump bereits zwischen knapp 480 und mehr als 600 Euro kosten. Die Targobank liegt mit ihrem Komfortkonto und 649 Euro Zinsen wieder auf dem letzten Platz.

Manche Institute erheben auch einfach eine Pauschalgebühr

Die Kritik der Stiftung Warentest an den hohen Zinszuschlägen bei Überschreiten des Disporahmens scheint jedoch langsam zu wirken. Einige Geldhäuser wie die Deutsche Skatbank, die ING-Diba, die Volkswagenbank sowie ein paar Sparda- und PSD-Banken verzichten darauf, bei klammen Kunden extra abzugreifen. Die reinen Zinszuschläge, also der Überziehungszins minus dem Dispozins, fallen allerdings auch weniger stark ins Gewicht, als dies die öffentliche Diskussion darüber vermuten ließe. So kassieren die untersuchten Banken Zinszuschläge von bis zu 5,5 Prozentpunkten (siehe Tabelle); in dem Musterfall für die 26-tägige geduldete Überziehung des Disporahmens lediglich zwischen 4,02 und 11,07 Euro zusätzlich. In diesem Rahmen bewegt sich auch die Pauschalgebühr, die manche Institute anstelle des Zinszuschlags als Minimum erheben: Sie beläuft sich zum Beispiel bei der Deutschen Bank auf 6,90 Euro pro Quartal.

Keßler kommt daher zu dem Schluss: "Die Institute können den Zinszuschlag für die Überziehung ruhig beibehalten, wenn sie dafür die Dispozinsen kräftig auf deutlich unter zehn Prozent senken würden." Zweistellige Zinssätze seien nicht akzeptabel, wenn zugleich der Leitzins der Europäischen Zentralbank auf einem Rekordtief von 0,15 Prozent liegt.

Im Juli 2013 hatte sich der durchschnittliche Dispozins, den die FMH-Finanzberatung wöchentlich bei ausgewählten Instituten ermittelt, auf 10,45 Prozent belaufen. Ende Juli 2014 lag der Wert bei glatt zehn Prozent. Viel geändert hat sich also nicht. Das muss auch nicht sein, davon ist zumindest Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, überzeugt. Er argumentiert: Zu günstige Zinsen verführten Kunden sogar eher, ihr Konto zu überziehen.

© SZ vom 28.07.2014/kfu

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