Die Noa Bank nach dem Aus Rechtsstaat statt "Finanzdemokratie"

Francois Jozic wollte mit seiner Noa Bank die "Finanzdemokratie" in Deutschland durchsetzen. Jetzt hat die Finanzaufsicht Bafin das Institut dicht gemacht - und der Chef lästert.

Schon seit Monaten hatte sich Unheil über der Noa Bank zusammengebraut. Im April war durchgesickert, dass Gründer Francois Jozic früher einmal Aufsichtsrat bei einer Firma war, die mit Drückerkolonnen und hohen Vorauszahlungen ihre Kunden verärgert hatte. Und Mitte Juli musste Jozic dann zugeben, dass er Kundengelder nur deswegen nicht mehr annehme, weil die Finanzaufsichtsbehörde Bafin ihm das untersagt hatte. Zuvor hatte er den Verzicht als freiwillig ausgegeben - gewissermaßen eine noble und seriöse Geste, die in der rauen Marktwirtschaft selten geworden ist.

Francois Jozic will nicht mehr weiter kämpfen. Über die von ihm gegründete Noa Bank hat die Finanzaufsicht inzwischen ein Moratorium verhängt.

(Foto: Boris Breuer)

Das alles wollte zwar schon nicht so recht zur Geschäftsphilosophie dieser Bank passen, die mit dem Versprechen ethischer und grüner Investments Kundengelder anlockte. Gleichzeitig schien Jozic allerdings das Vertrauen neuer Geldgeber zu haben, die ihn und das Institut auch durch schweres Fahrwasser manövrieren würden.

Doch das erwies sich als Trugschluss: Am Mittwochabend folgten die Hiobsbotschaften Schlag auf Schlag. Erst beantragte die Noa Factoring, die mit der Noa Bank verschmolzen war, beim Amtsgericht Düsseldorf die Insolvenz. Kurz darauf veröffentlichte Jozic einen neuen Eintrag in seinem Blog. Darin verkündete er nicht ohne Pathos, dass er aufhören werde zu kämpfen: "Der Bafin wurden bis zu diesem Tag viele Vorschläge von potentiellen Investoren unterbreitet, aber keiner schien sie zu befriedigen." Er habe deshalb beschlossen, die Noa Bank von der Finanzaufsicht "schließen zu lassen".

Verdopplung des Eigenkapitals erschien notwendig

Die Reaktion der Bafin ließ nicht lange auf sich warten - sie erklärte ein Moratorium für die Noa Bank. Wegen der Insolvenz der Noa Factoring habe die Überschuldung der Bank gedroht, heißt es aus der Behörde. Damit war die Noa Bank erledigt.

Dieses Scheitern wird von Jozic allerdings ganz anders interpretiert als von der Aufsichtsbehörde: Der gebürtige Belgier sieht sich als Opfer dunkler Mächte an den Finanzmärkten, während die Bafin die Noa Bank bereits seit Juni schlicht und einfach als unterkapitalisiert betrachtete.

Die Einschätzung der Aufseher kommt der Wahrheit wohl näher als Jozics Auffassung von den Dingen. Bereits vor Tagen hatte die Süddeutsche Zeitung aus Finanzkreisen erfahren, dass Kenner der Bank eine Verdopplung des Eigenkapitals für notwendig hielten.

Zum Teil wurde die Noa Bank dabei Opfer ihres Erfolges. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise achteten mehr Menschen darauf, wem sie ihr Geld anvertrauten. Davon profitierten ethisch-ökologische Banken. Allein im Jahr 2009 lag ihr Wachstum zwischen 20 und 35 Prozent. Doch etablierte Häuser wie die GLS, Umwelt- oder Ethikbank entwickelten ihr Geschäft behutsam über viele Jahre. Jozic hingegen wollte sich schnell ein Stück vom Kuchen dieses Bankgeschäfts sichern.

Aggressiver Zinssatz

Diese Rechnung ging zunächst auf. Binnen kurzer Zeit vertrauten 15.000 Menschen seiner Bank rund 300 Millionen Euro ihres Ersparten an. Bei vielen Menschen kam der ungewöhnliche Banker mit der großen schwarzen Brille an, der in seinem Blog eine lebhafte Diskussion über Geldgeschäfte führte, Transparenz versprach und für eine "Finanzdemokratie" trommelte. Kritiker wiesen jedoch früh darauf hin, dass wohl weniger das transparente Geldgeschäft Kunden locke, als vielmehr der aggressive Zinssatz für Tagesgeld.

Der Bank brachte der Kundenansturm kein Glück. Auf die Schnelle fand man gar nicht ausreichend viele Kreditprojekte. Gerade einmal 60 Millionen Euro vergab die Noa-Bank an Krediten. So konnte sie kaum die hohen Sparzinsen verdienen, die sie ihren Anlegern auf deren Einlagen zahlte.

Allerdings fehlt auch Eigenkapital, um die gesamten Kundeneinlagen als Kredite auszugeben. Dafür müsste sie schätzungsweise acht Prozent der ausgegebenen Kreditsumme an Eigenkapital aufweisen; bei Einlagen von 207 Millionen Euro wäre dies ein Eigenkapital von 16,6 Millionen Euro. Bisher hatte die Bank weniger als halb so viel, einschließlich der zwei Millionen Euro, die Jozic Ende Juli bei zwei Investoren locker gemacht hatte.

Gelder vorerst eingefroren

Richtig in die Bredouille kam die Bank, als deren Gründer ihre Factoring-Gesellschaft Quorum einbrachten. Auf den ersten Blick schien der Schritt zielführend zu sein: Das Geschäftsmodell von Quorum bestand darin, Firmen ihre offenen Forderungen mit Abschlag abzukaufen, um diese dann später einzutreiben. Für die Vorfinanzierung brauchte Quorum aber Geld - das die Noa Bank hatte.

Doch die Adoption von Quorum, die nun Noa Factoring hieß, hatte einen Haken: Die rechtlichen Eigenkapitalanforderungen für die Gruppe erhöhten sich weiter. Weil die Noa Bank dem nicht gerecht werden konnte, griff die Bafin endgültig ein und untersagte der Noa Bank das Kredit- und Spareinlagengeschäft.

In seinem Blog räumte Jozic später ein, dies habe er nicht gewusst. Solche bankrechtlichen Handwerksfehler entsetzten Beobachter - sie verdeutlichten, das Jozic das Bankengeschäft wohl allzu naiv betrieb.

Für die Kunden des Geldinstituts bedeutet das nun verhängte Moratorium, dass ihre Gelder vorerst eingefroren sind. Ihre Konten sind aber pro Person bis zu einer Höhe von 50.000 Euro durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) abgedeckt, der die Noa Bank angehört. Allerdings kann es Monate dauern, bis die Bafin den sogenannten Entschädigungsfall festgestellt hat und die EdB alle Gelder zurückgezahlt hat.