Die großen Erbfälle: Geld - Macht - Hass King of Cash

Michael Jacksons Familie erbte nach dem Tod des Stars kaum etwas - von seinem Vermächtnis will sie dennoch profitieren. Es ist ein perfides, aber im Showgeschäft kein ungewöhnliches Geschäftsmodell.

Von Oliver Bilger

Eigentlich waren sie doch schon vergessen: Tito, Jermaine, Jackie, Marlon, Randy und Rebbie. Janet ist noch am ehesten im Gedächtnis geblieben, aber gewiss nicht LaToya, von der man nur noch vage weiß, dass sie sich irgendwann in den achtziger Jahren erfolglos an einer Gesangskarriere versuchte. Seit dem 25. Juni 2009 ist das alles anders.

Das große Comeback des Michael Jackson gelang erst nach dem Tod der Weltstars.

(Foto: ag.ap)

Mit dem Tod Michael Jacksons sind seine Geschwister zu neuem Leben erwacht. Gerade erst sprachen sie wieder in unzählige Mikrofone, zum ersten Todestag des Superstars, berichteten von ihrer Trauer, dem Leben seiner Kinder, von Mordtheorien. Ihr Ziel: Geld verdienen am Tod des Bruders - ein perfides, aber im Showgeschäft kein ungewöhnliches Geschäftsmodell.

Der zerstrittene Jackson-Clan braucht Geld, denn die Familie ist weitgehend pleite. Außer Janet Jackson ist niemandem eine nennenswerte Karriere gelungen. Von Michaels Erbe bekommen sie keinen Cent. Nur Mutter Katherine wurde im Testament bedacht. Vom Nachlass profitieren sie dennoch.

Ein Haufen Schulden

2002 setzte Jackson ein Testament auf. Darin verfügte er, dass nach seinem Tod das Vermögen in den "Michael Jackson Familiy Trust" fließen soll. 40 Prozent daraus geht an seine Mutter, ihr übertrug er das Sorgerecht für seine Kinder Prince, Paris und Blanket. Sie bekommen weitere 40 Prozent, können jedoch erst ab ihrem 40. Lebensjahr voll über das Geld verfügen. Das verbleibende Vermögen geht an wohltätigen Verbände.

Bis zu seinem Tod soll Michael Jackson 300 bis 500 Millionen Dollar Schulden gemacht haben. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Doch die Erben erhalten Milliarden aus den Einnahmen mit Musik, Fanartikeln und Musikrechten. Mehrere hundert Millionen Dollar spielten Plattenverkäufen und der Film "This is it" allein im vergangenen Jahr ein. Damit werden sich die Verbindlichkeiten schnell begleichen lassen.

Presly, Lennon, Jackson

Wie leicht mit dem Namen Jackson heute das große Geld zu machen ist, weiß Darren Julien. Vor wenigen Wochen hat er in Las Vegas Jackson-Memorabilia versteigert und zwei Millionen Dollar eingenommen, doppelt so viel wie erwartet. "Michael Jackson ist der begehrteste Star aller Zeiten", sagt der Auktionator. Darren Julien: "Es ist unglaublich, wie sehr ihn seine Fans lieben."

Sofort nach Jacksons Tod kauften Fans die Plattenregale leer. Weltweit schossen seine alten Platten zurück an die Chartspitze. 30 Millionen Alben verkaufte Sony vergangenes Jahr. Konzernchef Howard Stringer lobte den King of Pop als "Genie, dessen Musik die Leidenschaft und Kreativität einer Ära reflektiert". Manch toter Star bringt mehr Gewinn als zu seinen Lebzeiten, das gilt etwa für Elvis Presly oder John Lennon.

Bei Jackson könnte es bald ähnlich sein. Das Magazin Forbes setzte ihn 2009 auf Platz drei der Rangliste der bestverdienen Toten. Etliche unveröffentlichte Lieder von Jackson sollen noch in Archiven lagern. Bis 2017 will Sony zehn neue Alben veröffentlichen. Dazu wurde der größte Vertrag der Musikgeschichte geschlossen: 200 Millionen Dollar zahlte der Konzern an die Erben.

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