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Deutschland:Land der Mieter

Nirgendwo sonst in Europa gibt es so wenig Besitzer von Immobilien. Deloitte vergleicht Wohnverhältnisse und Renditen.

Von Marianne Körber

In keinem anderen Land Europas wohnen mehr Menschen zur Miete als in Deutschland: 54 Prozent, wie der Beratungskonzern Deloitte ermittelte. Zweitplatzierter ist nach dem aktuellen Deloitte Property Index Dänemark mit 34 Prozent. "In den meisten europäischen Ländern gilt das selbst genutzte Wohneigentum als Normalfall. Deutschland ist europaweit die große Ausnahme - trotz vielfältiger Finanzierungsmöglichkeiten, niedriger Zinsen und einer insgesamt guten wirtschaftlichen Lage der meisten Bürger", erklärt Michael Müller, Partner und Leiter Real Estate & Construction bei Deloitte, in einer Unternehmensmitteilung. In anderen Ländern übersteigt der Mietanteil demnach kaum die 25-Prozent-Marke (siehe Grafik).

Europaweit rückt der Erwerb von Wohnraum zum Zweck der Vermietung zunehmend in den Fokus, glaubt man bei Deloitte. Zudem machten Angebote wie Airbnb Mietwohnungen attraktiv, ebenso die hohe, zu vielen Lebensentwürfen passende Flexibilität. Deloitte sieht daher gute Perspektiven für Investitionen in Mietwohnungen - in Europa insgesamt, weniger in Deutschland. Dort lägen die Profite der Vermieter unter dem europäischen Durchschnitt, was vor allem mit den hohen Kaufpreisen begründet wird.

Die Immobilienpreise für Neubauten im teuersten Stadtgebiet Europas, in Inner London, sind Deloitte zufolge von 2015 auf 2016 um 8,8 Prozent gefallen, während sie in Berlin um knapp zehn Prozent auf 3510 Euro pro Quadratmeter gestiegen sind. München liege mit 6580 Euro pro Quadratmeter in Deutschland deutlich vorn mit einem Preiswachstum von 8,5 Prozent. Deutschlandweit lägen die Preise mit durchschnittlich 2957 Euro je Quadratmeter aber niedriger als in Frankreich (4055 Euro, plus 1,4 Prozent), Dänemark (3235 Euro, plus 10,8) oder Irland (3458 Euro, plus 6,8 Prozent).

Investoren könnten etwa in polnischen und dänischen Städten gut mit der Wohnungsvermietung verdienen; im dänischen Odense beispielsweise würden Mietrenditen von 8,9 Prozent realisiert, in Budapest 7,9 Prozent. Deutsche Metropolen fänden sich am Ende der Skala mit Mietrenditen von 3,2 in München, 4,1 Prozent in Frankfurt und 4,9 Prozent in Berlin.

Der Wohnungsbau habe in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern "eine gewisse Priorität". So seien hierzulande 2016 3,9 neue Wohnungen je 1000 Einwohner entstanden - Spitzenreiter sei Frankreich mit 6,8 Wohnungen, Schlusslicht Portugal mit 0,6 Wohnungen. Auch bei den Bauvorhaben liege Deutschland mit 4,6 Projekten je 1000 Einwohner im oberen Mittelfeld, Österreich führe mit 7,6 Bauvorhaben.

Deutschland verfüge absolut gesehen mit 41,8 Millionen Wohnungen über den größten Wohnungsbestand in Europa. Bezogen auf die Bevölkerungszahl gibt es laut Studie hier 514 Wohnungen je 1000 Einwohner. Mehr Wohnungen gibt es nur noch in Frankreich (516), Spanien (550) und Portugal (575).

Was die Bezahlbarkeit von Immobilien betrifft, liegen Deloitte zufolge die Niederlande vorn. Um eine 70 Quadratmeter große Wohnung kaufen zu können, genügen hier 4,4 Bruttojahresgehälter. Am teuersten wird es für Bürger in Tschechien, sie müssen elf Gehälter zahlen.

© SZ vom 28.07.2017

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