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Deutschland greift nach der Wall Street:Ein Börsenchef kurz vor dem Ziel

Aber noch ist es nicht so weit. Schon häufig wurden Fusionen im Börsensektor angekündigt, die dann doch scheiterten. Reto Francioni kennt das Problem. Er wollte die europäische Vierländerbörse Euronext 2006 der Deutschen Börse einverleiben, doch dann schnappte ihm die Nyse die Kontrolle über die Börsen in Amsterdam, Brüssel, Lissabon und Paris sowie dem Londoner Terminmarkt Liffe weg. Nun aber könnte es Francioni schaffen.

FRANKFURT STOCK EXCHANGE BULL

Der Bulle greift wieder an: Im zweiten Anlauf soll die Fusion zwischen Deutscher Börse (Bild) und Nyse Euronext gelingen.

(Foto: AP)

Die Welt hört derzeit von zahlreichen Fusionsplänen im Börsensektor. Singapur und Sydney sowie Toronto und London sind die jüngsten Kandidaten. Immer geht es um Größe, die höhere Umsätze bringen soll. Immer geht es aber auch um Kapital, denn die Technologieinvestitionen sind enorm. Aber das will in New York derzeit niemand hören.

Mag sein, dass der geplante transatlantische Börsenkonzern den Standort New York weiter pflegen will. Mag sein, dass Nyse-Chef Duncan Niederauer den Vorstand des fusionierten Unternehmens leiten soll. Doch was ist das schon im Vergleich zur langen Historie?

Die Geschichte der New York Stock Exchange reicht zurück auf jenen Tag im Mai 1792, als sich zwei Dutzend Broker unter einer Platane im südlichen Manhattan trafen und ihre Kommissionen vereinheitlichten. Die Fotos von der Börse haben sich in das kollektive Gedächtnis Amerikas eingebrannt. Es sind Bilder der Verzweiflung und Bilder des Triumphs, und sie erzählen die Wirtschaftsgeschichte eines ganzen Landes. Doch den Firmen, die an Börsen handeln, ist das egal. "Für Marktteilnehmer ist nicht der Börsensitz von Bedeutung, sondern es geht um Geschwindigkeit, Sicherheit, niedrige Kosten und hohes Umsatzvolumen", sagt Martin Faust, Finanzexperte der Frankfurt School of Finance.

Wie soll das neue Unternehmen heißen?

Manchmal scheitern ambitionierte Fusionspläne ja schon an Details. Auch in diesem Fall ist bereits ein Problem in Sicht, das kaum zu lösen ist. Denn wie soll das neue transatlantische Unternehmen nur heißen? Die Aneinanderreihung der einzelnen Namen zu "Deutsche Börse Nyse Euronext" scheint kaum vermittelbar zu sein. Auch Vorschläge, den Namen zu verkürzen, etwa zu "Deutsche Nyse" oder "Börse Nyse" bergen Konfliktpotential - denn niemand steht gerne an zweiter Stelle.

© SZ vom 11.02.2011/weis/aum
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