Deutsche horten Bargeld Traditioneller Trend

Die Deutschen halten traditionell mehr Bargeld als andere Nationen, die sich stärker auf Plastikgeld verlassen. Seit Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002 nahm der Banknotenumlauf in Deutschland von 73 Milliarden Euro auf 328 Milliarden Euro zu. Nur ein Zehntel dieser Summe benötigen die Bürger, um ihre täglichen Einkäufe und Dienstleistungen zu begleichen, wie die Abhebungen an den Geldautomaten belegen.

Wie viel Geld die Deutschen seit der Lehman-Pleite abhoben, und wann der Höchststand erreicht war, sehen Sie in dieser Grafik.

(Foto: Grafik: SZ)

Ein Viertel bis ein Drittel des Bargeldes ist in ausländischem Besitz. Vor allem in Osteuropa kann der Euro längst als Zweitwährung gelten. Weit mehr als die Hälfte des Geldes - also mindestens 200 Milliarden Euro - wird jedoch im eigenen Land gehortet.

Horten kann Verluste bringen

Bei hohen Ausgaben greifen vor allem ältere Bürger auf Bargeldbestände zurück. Als Ursache vermutet die Bundesbank, dass die Älteren mehr Vermögen haben und wegen selbst erlebter Krisen einen größeren Teil ihrer Ersparnisse bar halten. Offenbar verzichten sie dabei lieber auf Zinsen, zahlen Gebühren für Schließfächer oder gehen das Risiko eines Verlusts oder Diebstahls ein.

Bargeld und große Geldscheine sind auch bei Schwarzarbeit, Drogenhandel oder anderen illegalen Geschäften beliebt. Welche Rolle die Kriminalität beim Geldhorten spielt, mag die Notenbank nicht erläutern. Anders als bei Überweisungen von Bankkonto zu Bankkonto hinterlässt die Übergabe von Geldscheinen aber keine Spuren und verschafft den Gaunern so die erwünschte Anonymität.

Horten kann auch ein großes Verlustgeschäft sein. Ende 2008 waren D-Mark-Banknoten im Wert von 6,8 Milliarden Mark auch nach sieben Jahren Euro-Bargeld noch nicht zurückgegeben. "Diese können zu einem nicht unbeträchtlichen Teil als dauerhaft gehortet oder verloren gelten", mutmaßt die Bundesbank.