Deutsche Bundesbank:Weber wird ein "Chicago Boy"

Axel Weber hat erst einmal genug von Deutschland. Er wolle einen Lehrauftrag an der Universität Chicago antreten, sagte der scheidende Bundesbank-Chef bei seiner letzten Bilanzpressekonferenz für die Notenbank.

Zurück in den Elfenbeinturm, zumindest vorläufig: Den scheidenden Bundesbankpräsidenten Axel Weber zieht es zurück in die Wissenschaft. Er verhandle mit der Universität von Chicago über einen Lehrauftrag, sagte Weber in Frankfurt. Nach einem Jahr in den USA wolle er dann ab Juni 2011 seine Professur an der Universität Köln wieder aufnehmen. Dort war er bis zu Beginn seiner Amtszeit bei der Bundesbank im April 2004 tätig.

Weber, President of German Bundesbank, addresses the annual news conference in Frankfurt

Der scheidende Bundesbankchef Axel Weber glaubt, dass ihn die Wissenschaft in Zukunft wieder bereichern könne.

(Foto: REUTERS)

Der 54-Jährige nannte die US-Hochschule die erste Adresse für jemanden, der Monetarist sei. "Ich freue mich enorm, wenn das klappt", sagte er.

Die Monetaristen betrachten die Geldstabilität als entscheidende Einflussgröße für die Wirtschaft. Weber hat diese Position in der Finanzkrise stets vertreten.

Eine spätere Tätigkeit in anderen Bereichen schloss Weber gleichwohl nicht aus. Er werde aber zu keinerlei Spekulationen etwas sagen. Weber wurde auch als möglicher Nachfolger für den Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gehandelt.

Der Ökonom bestritt, dass dass der erneute Einstieg in die Wissenschaft ein Rückschritt sei. Einem Quereinsteiger wie ihm müsse auch der Querausstieg möglich sein. Er sei nicht Professor geworden, weil ihm alle anderen Berufswege verschlossen gewesen wären. Das sei etwas, das ihn auch in Zukunft bereichern könne.

"Ich bereue keinen Tag"

Weber zog eine positive Bilanz seiner Zeit als Bundesbankpräsident und auch seiner Tätigkeit für die Europäische Zentralbank. "Ich bereue keinen Tag, den ich hier Geldpolitik in Europa mitgestalten durfte." Er blicke mit keinerlei Groll zurück.

Bei seiner letzten Bilanzpressekonferenz als Bundesbank-Chef musste Weber allerdings einen Gewinneinbruch verkünden: Deutschlands Zentralbank erwirtschaftete nach Webers Angaben im vergangenen Jahr 2,2 Milliarden Euro, das war nur etwas mehr als die Hälfte der Vorjahreseinnahmen von 4,1 Milliarden Euro. Den Gewinn führt die Bundesbank in voller Höhe an den Bund ab.

Grund für den Rückgang sei vor allem eine höhere Risikovorsorge, erklärte Weber. Demnach musste die Bank 1,6 Milliarden Euro für die Absicherung aufbringen.

Wichtigeste Quelle für den Gewinn waren mit einer Höhe von 6,2 Milliarden Euro die Zinserträge. 2009 hatte diese Summe noch 7,6 Milliarden Euro betragen, 2008 sogar 16,9 Milliarden Euro.

Dieser Rückgang der Zinseinnahmen war vor allem der Senkung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) geschuldet. Zum Gegensteuern in der Finanzkrise hatte die EZB den Zins von 4,25 Prozent auf 1,0 Prozent gesenkt.

Diese Maßnahme führte aber auch dazu, dass die Bundesbank selbst weniger für Zinsen ausgeben musste. Die Aufwendungen lagen hier bei 2,6 Milliarden Euro. Im Jahr 2009 hatten sie noch 3,5 Milliarden Euro betragen.

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