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Deutsche Bank:Ackermann-Nachfolge: Einer reicht nicht

Der eine ist genauso alt wie der Vorgänger, der andere spricht kein Deutsch: Die Deutsche Bank hat keine elegante Lösung für die Nachfolge von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann parat. Deshalb könnte es nun auf eine Doppelspitze hinauslaufen. Schon am Wochenende soll eine Entscheidung fallen. Und plötzlich gibt es noch weitere Spekulationen - um Ackermann selbst.

Der eine Kandidat ist exzellent vernetzt, aber vergleichsweise alt. Der nächste scheint gut geeignet, spricht aber kein Deutsch. Und wieder ein anderer nimmt lieber einen Posten in der Schweiz an: Die Deutsche Bank tut sich seltsam schwer, Josef Ackermann an der Spitze des Konzerns zu ersetzen.

Komplettiert wird das Chaos durch Ackermann selbst, der den Oberaufseher Clemens Börsig verdrängen will.

"Noch ist alles im Fluss, aber niemand will, dass die Debatte ewig anhält", sagte ein Aufsichtsrat der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Vorentscheidung könnte sogar schon bei einem Treffen des dreiköpfigen Nominierungsausschusses am Sonntag fallen. Das berichtet zumindest die Bild-Zeitung. Es könnte auf eine Doppelspitze für Deutschlands größte Bank hinauslaufen. Zwar gilt mittlerweile der Top-Investmentbanker Anshu Jain als gesetzt. Doch der 48-jährige gebürtige Inder lebt in London und ist im politischen Berlin kaum verdrahtet. Zudem spricht er fast kein Deutsch. Deshalb sucht Börsig, der auch dem Nominierungsausschuss vorsitzt, nach einem Ko-Chef für die Außendarstellung der Deutschen Bank im eigenen Land.

Für diese Rolle sind verschiedene Namen im Gespräch: Risikovorstand Hugo Bänziger, Deutschland-Chef Jürgen Fitschen, Finanzchef Stefan Krause oder Privatkundenvorstand Rainer Neske. Laut einem Bericht der Welt favorisiert Börsig Fitschen, weil der in Deutschland als gut vernetzt gilt. Er wird allerdings dieses Jahr 63 Jahre alt. Bemerkenswert ist, dass er damit nur ein halbes Jahr jünger ist als Ackermann, der ja aus Altersgründen ausscheidet. Fitschen wäre also allenfalls eine Übergangslösung.

"Keine Absicht, das Feld zu räumen"

Da würde es dann schon bald wieder eine neue Nachfolgedebatte geben, zitiert Reuters einen Insider. "Hier ist noch nichts entschieden." Einige Aufsichtsräte seien für Bänziger, da der in der Finanzkrise Seite an Seite mit Ackermann agierte und die Verluste durch einen frühzeitigen Abbau von Risikoposten eindämmte.

Offizieller Termin für Ackermanns Ausscheiden ist der Mai 2013. Sollte aber der Aufsichtsrat schon in den kommenden Wochen eine Nachfolgelösung präsentieren, ist Finanzkreisen zufolge ein vorzeitiger Abgang Ackermanns wahrscheinlich.

Und Ackermann selbst? Neun der zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sollen sich nach Angaben von Spiegel online dafür ausgesprochen haben, dass Ackermann an die Spitze des Gremiums wechselt und dann selbst seine Nachfolge bestimmt.

Ackermanns Wunschkandidat war womöglich Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber, der vergangene Woche aber überraschend seinen Wechsel zur Schweizer UBS angekündigt hatte. Seither scheint das Verhältnis des Konzernchefs zu Börsig noch angespannter zu sein als es ohnehin schon war. Ackermann werfe dem Kontrolleur vor, die Chance für eine gute Nachfolge verpasst zu haben, berichten Bankmitarbeiter.

Clemens Börsig denkt aber offenbar gar nicht daran, seinen Posten für den derzeitigen Vorstandschef freizumachen. Börsig habe "keine Absicht zurückzutreten und das Feld zu räumen", zitierte die Welt eine "mit den Vorgängen vertraute Person".

Er wolle sein bis 2013 laufendes Mandat erfüllen. Er müsste demnach vom Aufsichtsrat abgewählt werden, was dem Bericht zufolge ein einmaliger Vorgang wäre.