Süddeutsche Zeitung

Deutsche Bank und die Börse:Der Kurssturz des Josef Ackermann

Massiver Wertverlust bei der Deutschen Bank: Die Aktie fällt auf den tiefsten Stand seit 21 Jahren. Deutschlands Primus gerät in den Sog globaler Verwerfungen, nachdem die Royal Bank of Scotland den historisch größten Verlust der britischen Geschichte meldete.

G. Bohsem, T. Fromm u. M. Hesse

Der Rekordverlust der Royal Bank of Scotland (RBS) hat an den Börsen Angst vor weiteren Milliardenabschreibungen genährt. Darunter litt besonders die Aktie der Deutschen Bank. Der Kurs brach zeitweise um mehr als zwölf Prozent auf 17,40 Euro ein. So wenig war das größte deutsche Kreditinstitut zuletzt im Februar 1988 wert.

Allein seit vergangenen Mittwoch hat die Deutsche Bank rund ein Viertel ihres Wertes verloren. Da hatte Vorstandschef Josef Ackermann eingeräumt, der Konzern habe im vierten Quartal 4,8 Milliarden Euro verloren.

Nachdem die schottische RBS nun sogar 20 Milliarden Pfund (22 Milliarden Euro) Verlust gemeldet hat, fürchten Investoren, auf die Deutsche Bank und andere Großbanken könnten noch höhere Belastungen zukommen. Auch die Postbank sowie die französischen Institute BNP Paribas und Société Générale verloren an der Börse am Montag mehr als zehn Prozent.

Ein Viertel erst abgeschrieben

Deutsche Kreditinstitute haben erst etwa ein Viertel auf ihre faulen Wertpapiere im Volumen von mehr als 300 Milliarden Euro abgeschrieben. Das geht aus einer vom Finanzministerium in Auftrag gegebenen Umfrage der Finanzaufsicht Bafin und der Bundesbank hervor, deren Ergebnis der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Dahinter stehen vor allem faule Kredite auf Immobilien, Studentendarlehen, Kreditkartenverbindlichkeiten und Autofinanzierungen sowie Übernahmekredite. Allein für die Hypo Real Estate werden 28 Milliarden Euro angesetzt. Die Problemkredite der Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind nicht inbegriffen. Berücksichtigt man diese, hält die Bafin einen Gesamtbestand von 320 Milliarden Euro für plausibel, derzeit würden diese in den Bilanzen mit 246 Milliarden Euro bewertet.

Diese Zahl ist nach Einschätzung der Bafin auch die Obergrenze, "die als finanzieller Aufwand bei der Errichtung einer Bad Bank für entsprechende Wertpapiere einkalkuliert werden sollte".

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Das Prinzip der Bad Bank.

In eine solche staatliche Bad Bank könnten Banken ihre faulen Kredite abladen. Offenbar wird an den Börsen spekuliert, vor allem die Deutsche Bank könnte daran Interesse haben. Bankchef Josef Ackermann hatte allerdings vergangenen Mittwoch erklärt, sein Haus habe Altrisiken weitgehend abgebaut. "Nach dem Risikoabbau, den wir vorgenommen haben, wüsste ich für die Deutsche Bank nicht, welche Papiere wir noch verkaufen könnten. Das ist nichts, was die Deutsche Bank braucht."

"Nicht alles beim Staat abladen"

Andere deutsche Bankenvertreter sehen das Thema differenziert. "Man kann nicht alles beim Staat abladen, aber auch nicht alles bei den Banken belassen", sagte Karl-Georg Altenburg, Deutschland-Chef der US-Bank JP Morgan. Es müsse ein Mittelweg gefunden werden. Die Finanzpolitiker der Unionsfraktion sprachen sich auf ihrer Klausurtagung am Wochenende gegen die Schaffung einer staatlichen Bad Bank aus. Es sei jedoch denkbar, den Banken Papiere abzunehmen, die nach allgemeinen Ermessen durchaus werthaltig seien, derzeit jedoch durch das katastrophale Marktumfeld in Mitleidenschaft gezogen würden, sagte der Finanzexperte Leo Dautzenberg am Montag in Berlin. Das Bundesfinanzministerium wies Forderungen nach einer Bad Bank erneut zurück. "Wir halten dies für keine geeignete Lösung, diese Papiere allein zulasten von Steuerzahlern zu sozialisieren", sagte der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Es müssten breitere Ansätze gefunden werden.

Uneinigkeit herrscht in der Koalition weiterhin über die Frage, wie der Staat sich bei einer Rettungsaktion für die angeschlagene Hypo Real Estate verhalten soll. Ohne auf den Einzelfall einzugehen, zeigten sich die Unions-Finanzpolitiker skeptisch, eine vollständige Übernahme eines Finanzinstituts gesetzlich möglich zu machen. Dies wird nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in der Regierung erwogen.

Das zur Bekämpfung der Finanzkrise geschaffene Finanzmarktstabilisierungsgesetz begrenzt den Einstieg des Staats auf rund 33 Prozent, ohne vorher die Genehmigung der Aktionäre einzuholen. Damit hätte er keine Mehrheit, um die Geschäfte des Instituts nachhaltig zu bestimmen. In Finanzkreisen rechnet man nicht mehr damit, dass es noch in dieser Woche zu einem Einstieg des Bundes bei der HRE kommt. "Dafür gibt es noch zu viele offene Fragen", heißt es dort. Allerdings geht man davon aus, dass der Bund bereits in den kommenden Tagen weitere Garantiezusagen machen wird. In Finanzkreisen spricht von einem "weiteren Unterstützungssignal", um die Zeit bis zu einer Entscheidung zu überbrücken.

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SZ vom 20.01.2009/mel
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