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Deutsche Bank: Spitzelaffäre:Jetzt redet der Detektiv

Aussage gegen Aussage: In der Spitzelaffäre der Deutschen Bank widerspricht einer der engagierten Detektive der bisherigen Version des Geldhauses. Die Aktion sei größer gewesen als bislang angegeben.

In der Spitzelaffäre der Deutschen Bank hat sich jetzt einer der Detektive zu Wort gemeldet, der im Auftrag des Instituts Informationen über Kritiker der Deutschen Bank einholen sollte. Dabei widerspricht der Detektiv Bernd Bühner in einem Interview mit dem Wall Street Journal der Aussage des Geldhauses, dass es sich bei der Affäre lediglich um eine begrenzte Aktion gehandelt habe. Vielmehr, so Bühner, hätten die Überwachungsmaßnahmen einen größeren Umfang gehabt als von der Deutschen Bank bislang eingeräumt und sich auf bis zu 20 Personen bezogen.

Die Deutsche Bank in Frankfurt: Seit Mai kämpft das Institut mit der Aufarbeitung eines Spitzelskandals.

(Foto: Foto: dpa)

Bei einem Treffen mit Vertretern der Deutschen Bank im Jahr 2006 habe er eine Liste mit Namen erhalten, sagte Bühner dem Wall Street Journal: "Sie hatten die Namen schon parat. Ein Schreiben mit der Liste der Namen war von der Bank schon im Vorfeld des Treffens mit Bankvertretern erstellt worden."

Deutsche Bank: "Vier Fälle, keine 20"

Die Deutsche Bank schließt die Existenz der Liste nicht aus: "Wir wissen nicht, ob es diese Liste gab, oder nicht", sagte ein Sprecher zu sueddeutsche.de. Selbst wenn die Aufstellung vorgelegen habe, sei sie aber unbedenklich gewesen. Möglicherweise seien Bühner Personen und Objekte genannt worden, die in Zusammenhang mit dem kritischen Aktionär Michael Bohndorf standen.

Die angegebenen Personen hätten möglicherweise Auskunft geben können über Bohndorfs ablehnende Haltung zur Bank und seine Beziehung zu Leo Kirch. Der Ex-Medienmogul macht die Deutsche Bank für den Konkurs seines Firmenimperiums verantwortlich und steht deswegen seit Jahren in einem Rechtsstreit mit dem Institut. Die Leute auf der Liste hätten aber nicht ausgeforscht werden sollen: "Die Annahme, dass wir Informationen über 20 weitere Personen sammeln wollten, ist falsch", so der Deutsche-Bank-Sprecher. Es bleibe bei den vier Spitzelfällen, die das Institut bislang eingeräumt habe.

Auftrag nie ausgeführt

Die Liste habe in der Tat in Zusammenhang mit der Bohndorf-Aktion gestanden, bestätigte Bühner dem Wall Street Journal, doch der Auftrag habe darin bestanden, jede der genannten Personen und Objekte auszuforschen. Allerdings habe er diesen Auftrag nie ausgeführt, so Bühner.

Weitere Fragen wirft auch die Aussage Bühners auf, dass bei dem Treffen mit den Deutsche-Bank-Vertretern Mitarbeiter der Rechtsabteilung zugegen waren. Dies, so das Wall Street Journal habe ein weiterer Deutsche-Bank-Insider bestätigt. Bislang hat die Bank lediglich eingeräumt, dass ihre Sicherheitsabteilung von dem Spitzelskandal betroffen ist.

Bühner, ein früherer Bundeswehr-Major, unterhält langjährige Geschäftsbeziehungen zur Deutschen Bank. Im Jahr 1997 engagierte das Geldhaus Bühners früheren Arbeitgeber, die Control Risks Group. Dabei handelt es sich um eine Londoner Sicherheitsfirma. In den folgenden Jahren war Bühner bis zum Jahr 2003 als Deutschlandchef der Control Risks Group eingesetzt, bevor er als selbständiger Auftragnehmer weiterhin für das Insitut tätig war.