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Deutsche Bank: Kirch-Prozess:Der Altkanzler als Zeuge

Rolf Breuer, Leo Kirch, Josef Ackermann - und jetzt Gerhard Schröder: Im Prozess Kirch gegen die Deutsche Bank lädt der Vorsitzende Richter Guido Kotschy viel Prominenz. Doch wird Schröder wirklich kommen?

Als die Hemden der Anwälte schon durchgeschwitzt und die Luft im Dachgeschoss des Münchner Oberlandesgerichts weitgehend aufgebraucht war, packte Richter Guido Kotschy noch einen letzten Wachmacher aus: Gerhard Schröder, Bundeskanzler a.D., solle als Zeuge geladen werden. Schröder soll Licht in den komplexen Prozess bringen, den der Medienunternehmer Leo Kirch gegen die Deutsche Bank und ihren früheren Vorstandssprecher Rolf Breuer hier vor dem Oberlandesgericht führt.

Kirch will Altkanzler Schroeder als Zeuge

Altkanzler Gerhard Schröder.

(Foto: dapd)

Ob Schröder wirklich kommt, ist noch nicht sicher. Er werde über das weitere Vorgehen erst entscheiden, wenn eine offizielle Ladung als Zeuge seitens des Oberlandesgerichtes vorliegen sollte, erklärte ein Sprecher des SPD-Politikers am Freitag. Kommt er wirklich, wird die Reise in die deutsche Wirtschaftsgeschichte, die dieses Verfahren ist, um ein illustres Kapitel reicher.

Denkwürdige Sitzung

Am 27. Januar 2002 hatte Schröder einige Wirtschaftsführer zu einem Krisengespräch über die deutsche Medienbranche und die Kirch-Gruppe geladen. Der damalige Bundeskanzler zeigte sich besorgt, dass ausländische Konzerne wie die Newscorp-Gruppe von James Murdoch Kirch übernehmen könnten. Anwesend waren bei dem Abendessen unter anderem Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, die Verlegerin Friede Springer sowie der damalige Chef der Bertelsmann-Gruppe Thomas Middelhoff.

Zwei Tage später kam der Vorstand der Deutschen Bank zu einer denkwürdigen Sitzung zusammen. Thomas Fischer, damals noch Vorstand der Deutschen Bank, später Chef der WestLB, trat auf der Sitzung zurück, und eine neue Rechnungslegung wurde erstmals eingeführt. Und unter dem Punkt Verschiedenes berichtete dann Breuer von dem Gespräch beim Kanzler. Und weil Breuer ein paar Tage später in einem Interview indirekt Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs anmeldete und dessen Mediengruppe bald darauf tatsächlich insolvent war, glaubt Kirch an einen Komplott. Breuer habe ihn mit dem Interview sturmreif schießen wollen, um Kirch später bei der Restrukturierung oder dem Verkauf von Konzernteilen beraten zu können. Als zusätzliches Indiz sieht Kirch die Tatsache an, dass Breuer ihm kurz nach dem Interview angeboten habe, die Deutsche Bank könne als Schutzschild dienen.

Kirch und seine Anwälte glauben, dass der Deutsche-Bank-Vorstand bei der Sitzung nach dem Kanzler-Gespräch beschlossen haben, ihm ein Mandat anzubieten und ansonsten für andere, etwa Murdoch, tätig zu werden. Josef Ackermann und andere Spitzenmanager der Deutschen Bank, hatten am Donnerstag mit ihren Aussagen versucht, dem Gericht diese Sicht der Dinge auszureden. Am Ende wirkte Richter Kotschy wie ein Boxer nach der zwölften Runde.

Wem er glaubt, ließ er nicht erkennen. Nun hofft der Richter auf Altkanzler Schröder.

Gegendarstellung

Auf sueddeutsche.de berichten sie in einem am 20. Mai 2011 veröffentlichten Beitrag unter der Überschrift "Der Altkanzler als Zeuge" und schreiben:

"Am 27. Januar 2002 hatte Schröder einige Wirtschaftsführer zu einem Krisengespräch über die deutsche Medienbranche und die Kirch-Gruppe geladen. (...) Anwesend waren bei dem Abendessen unter anderem Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, die Verlegerin Friede Springer sowie der damalige Chef der Bertelsmann-Gruppe Thomas Middelhoff."

Hierzu stelle ich fest: Ich habe an dem Abendessen nicht teilgenommen.

Berlin, den 25. Mai 2011

Friede Springer

Anmerkung der Redaktion: Frau Springer hat Recht.