Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Mayer "Portugals Hilferuf würde mich nicht wundern"

Erst Griechenland, dann Irland - und jetzt Portugal? Thomas Mayer von der Deutschen Bank wäre nicht überrascht, wenn Lissabon noch unter den Rettungsschirm schlüpfen würde.

Portugal könnte nach Ansicht von Deutsche-Bank-Ökonom Thomas Mayer der nächste Kandidat für Hilfe aus den anderen Euro-Staaten sein.

Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte er: "Zusätzlich zu Griechenland und Irland würde ich mich nicht wundern, wenn Portugal in absehbarer Zeit auch unter den Rettungsschirm schlüpfen muss."

Das Land sei gut beraten, diesen Schritt zügig zu gehen. "Irgendwann wäre es wohl sowieso fällig. Man könnte eine Hängepartie abkürzen." Am Tag vor Heiligabend hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Portugals um eine Note auf "A+" reduziert. "A+" ist die fünftbeste Note.

Das portugiesische Leistungsbilanzdefizit habe sich weniger stark als erwartet vermindert, begründete Fitch. Zudem hätten sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtert. Die Risikoaufschläge für portugiesische Staatsanleihen waren in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen.

Für Portugal sei es eine "extreme Herausforderung", das Haushaltsziel 2011 zu erreichen, urteilte Fitch. Portugal will im kommenden Jahr sein Haushaltsdefizit auf 4,3 Prozent senken - nach 7,3 Prozent im laufenden Jahr. Das Parlament verabschiedete kürzlich einen umstrittenen Staatshaushalt, der nie dagewesene Spar- und Sanierungsmaßnahmen vorsieht. Die Ratingagentur erwartet, dass Portugal 2011 in die Rezession zurückfallen wird.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnte vor Aktionismus in der Euro-Schuldenkrise. Die nach wie vor diskutierte Einführung gemeinsamer europäischer Staatsanleihen (Euro-Bonds) würde die Marktwirtschaft auf den Kopf stellen, kritisierte er. "Ich halte Euro-Bonds für grundlegend falsch."

"Im Extremfall müssen private Gläubiger beteiligt werden"

Eine Erhöhung des Euro-Rettungsschirmes stehe nicht zur Debatte: "Das sehe ich nicht als notwendig an. Die Mittel des Rettungsschirmes sind mit der Irland-Hilfe noch bei weitem nicht ausgeschöpft." Wild über mögliche weitere Sorgenkinder zu spekulieren, verunsichere Märkte und Menschen. "Wir haben einen starken Euro. Wir dürfen den Euro daher auch nicht ohne Not ins Gerede bringen."

Länder wie Griechenland und Irland unternähmen gewaltige Anstrengungen. "Ich sehe gute Chancen, dass beide Länder es schaffen können", sagte Brüderle. Probleme hätten Staaten , die über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Einziger Ausweg sei nun eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. "Das ist der Preis einer Währungsunion. Man kann eben seine Währung nicht mehr alle paar Jahre abwerten. Der entscheidende Parameter ist jetzt die Strukturveränderung."

Brüderle setzt darauf, dass die beim jüngsten EU-Gipfel beschlossenen Maßnahmen auch langfristig den Euro stabilisieren. Ab 2013 wird ein permanenter Krisenmechanismus den Rettungsschirm ablösen. Auch private Gläubiger von Staaten sollen dann über einen "Haircut" zur Kasse gebeten werden können. "Im Extremfall eines Staatskonkurses müssen private Gläubiger beteiligt werden."