Derivate Nur für abgebrühte Zocker

Der bedeutendste Unterschied zum klassischen Aktienkauf ist jedoch der Hebeleffekt. Er tritt auf, weil nur ein Bruchteil des Basiswertes finanziell bereitgestellt werden muss. Die prozentuale Rendite aus dem Kurssprung einer Position von 10.000 Euro ist - wenn der Anstieg des Euro-Wertes der gleiche ist -rein rechnerisch kleiner als bei einem Einsatz von 500 Euro.

Die Sicherheitsleistung, die bereitgestellt werden muss, liegt in der Regel zwischen einem und zehn Prozent des Basiswertes; in der Tabelle beträgt sie fünf Prozent. Den Rest stellt der Anbieter zur Verfügung, was nichts anderes heißt, als dass die Wertpapiere auf Pump bewegt werden, also auch kein Eigentum daran erworben wird.

Diese Form der Aktienleihe verursacht Finanzierungskosten. Der Zins liegt bis zu vier Prozent über dem Eonia-Satz (Anlegerlexikon) und fällt in der Regel für das komplette Handelsvolumen an. Daher werden CFDs meist nur extrem kurz gehalten. In der Beispielrechnung beträgt der Zinssatz insgesamt acht Prozent.

Entscheidend für den Umfang des Gewinns oder Verlusts ist der sogenannte Hebel. In der Tabelle liegt angesichts der Sicherheitsleistung in Höhe von fünf Prozent der Wert bei 20. "Die Erfahrung zeigt aber, dass unsere Kunden eine größere Sicherheitsleistung hinterlegen als gefordert. Dadurch wird der Hebeleffekt entsprechend verringert", erklärt Riße.

Mittlerweile können bei CMC Markets etwa 2200 Arten von CFDs gehandelt werden. Nach Firmenangaben wurde im Geschäftsjahr 2006/07 hierzulande bei 13 Millionen Transaktionen ein Volumen in Höhe von 80 Milliarden Euro bewegt.

Verlust übertrifft Einsatz

Was meist nur am Rande erwähnt wird: Auch CFDs sind kein Synonym für den sicheren Weg zum schnellen Reichtum. Theoretisch kann der Anleger mehr Geld verlieren, als er eingesetzt hat. Nicht zuletzt deshalb sind CFDs beispielsweise in den USA verboten. "Ich halte es für bedenklich, dass solch spekulative Produkte hierzulande erfolgreich sind.

Vielen Anlegern ist offensichtlich nicht bewusst, dass Aktien theoretisch über Nacht einbrechen können und dann in der Regel eine Nachschusspflicht besteht. Das Verlustrisiko ist also immens", sagt Adolf Ropeter von der Independent Derivatives Consulting AG, einem Beratungsunternehmen für institutionelle Anleger. Beispielsweise bei Hebelzertifikaten, einer anderen Art von Derivat, "weiß ich dagegen im Voraus, was ich maximal verlieren kann".

Auch Dieter Lendle vom Deutschen Derivate Institut zeigt sich wenig euphorisch: "Diese Produkte sind nur für Profis und Zocker gedacht. Sie haben noch einen langen Weg vor sich, um das Vertrauen einer breiten Anlegerschicht zu gewinnen. Vor allem das Image der Preisbildung außerhalb der Börse auf Handelsplattformen ist nicht das beste."

Dem versuchen die Anbieter mit einer regen Öffentlichkeitsarbeit entgegenzusteuern - zuletzt mit großem Erfolg. CFDs, die ihre Wurzeln in Großbritannien haben, setzen sich aus Effizienzgründen vermehrt in Deutschland durch - genau wie zuletzt die börsengehandelten Indexfonds (Leserfrage). Seit kurzem bieten sogar Online-Banken einen Handel mit CFDs an.

ABN Amro einziger Anbieter

"Die Kunden haben solche Produkte gefordert", heißt es bei Cortal Consors, einem Tochterunternehmen der BNP Paribas. Große deutsche Finanzinstitute wie die Commerzbank sehen dagegen noch keinen Handlungsbedarf. Somit bleibt ABN Amro hierzulande vorerst die einzige Großbank, die CFDs komplett aus eigenem Hause anbietet.

Eine Verbreitung von CFDs wie in Großbritannien ist ohnehin unwahrscheinlich. Dort sind CFDs ohne zeitliches Limit steuerlich begünstigt, während in Deutschland ab dem 1. Januar 2009 auf alle Derivate die Abgeltungssteuer fällig wird. Für Anleger, die in solche Papiere investieren wollen, gibt es eine weitere Hürde: Sie müssen - wie bei Geschäften mit anderen Derivaten auch - zuvor ein Formular unterzeichnen, damit sie die sogenannte Termingeschäftsfähigkeit erreichen.