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Der Staat und die Banken:"Die Bankenaufsicht gehört auf den Müll"

Der Bankenexperte Ekkehard Wenger über die Zukunft staatlicher Banken, warum die Bankenaufsicht unfähig ist - und der Steuerzahler das alles ausbaden muss.

Professor Ekkehard Wenger hat seit 1988 den Lehrstuhl für BWL, Bank- und Kreditwirtschaft an der Uni Würzburg inne. Von Konzernvorständen wird er häufig gefürchtet, weil er das Versagen von hochdotierten Managern gerne öffentlich anprangert - viele Anleger betrachten ihn als "Robin Hood".

Die Bankenaufsicht hat in ihrer Kontrollfunktion versagt, so Professor Ekkehard Wenger von der Uni Würzburg.

(Foto: Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Herr Wenger, früher hatten staatliche Banken die Funktion, Geld des Staates zu verwalten. Heute sind sie vor allem als Universalbanken tätig. Wozu braucht man überhaupt noch öffentliche Banken?

Ekkehard Wenger: Wie man an der momentanen Krise sieht, braucht man sie hauptsächlich, um Staatsgeld zu vernichten.

sueddeutsche.de: Haben staatliche Banken noch eine Zukunft - und was sollte der Staat tun?

Wenger: Der Staat sollte sich aus solchen Banken sofort komplett zurückziehen. Am schlimmsten sind in Deutschland die Landesbanken von der Krise betroffen. Selbst die Deutsche Bank hatte bisher bei weitem nicht so viel Mist zu verarbeiten wie manche Landesbanken oder die IKB.

sueddeutsche.de: Wer ist schuld an der Misere?

Wenger: Schuld sind die Eigentumsverhältnisse. Wenn keiner mit eigenem Geld in den Instituten steckt und aufpasst, dann machen die Manager halt, was sie wollen, wenn sie niemand an die Kandarre nimmt. Sie zocken herum. Ein paar Jahre lang geht's gut - und irgendwann werden sie von der Statistik eingeholt.

sueddeutsche.de: Sollten öffentliche Banken privatisiert werden?

Wenger: Vor allem die Bankenaufsicht, die sich als überflüssig und total unfähig erwiesen hat, gehört gleich mit auf den Müll.

sueddeutsche.de: Das aktuelle Fallbeispiel für die Krise im System ist die Mittelstandsbank IKB. Was genau lief da schief?

Wenger: An der Spitze der IKB-Hauptaktionärin KfW sitzt eine abgehalfterte Politikerin. Und in allen Landesbanken, nicht zuletzt in der BayernLB, gibt's eine lange Tradition der Entsorgung von Politikern. Da wurden immer ausgediente Parteigrößen abgeladen.

sueddeutsche.de: Die Bank als pure Versorgungsstation?

Wenger: Ja. Auf diese Weise kommen Politiker noch an ein ordentliches Gehalt. Für den Steuerzahler ist es eine Katastrophe.

sueddeutsche.de: Staatlicher Schutz ist immer auch ein Instrument, um Marktmacht bestimmter Unternehmen aufrechtzuerhalten. Wäre die IKB ohne den Staat im Rücken zu schwach für den freien Wettbewerb?

Wenger: Die IKB hätte sich auf ihren Förderauftrag als mittelständische Förderbank konzentrieren sollen. Und dieser lautet: Die heimische Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Das ist sowieso schon eine halbstaatliche Geschichte und hat mit der reinen Marktwirtschaft nicht viel zu tun. Aber wenn man es als eine staatliche Aufgabe erachtet, eine Förderbank zu unterhalten, dann sollen sie bitteschön die Geschäfte machen, die ihrem Gesellschaftszweck entsprechen. Doch weil das den Herrschaften zu langweilig war, haben sie in Übersee wild rumgezockt - offensichtlich hat die Risikokontrolle vollkommen versagt.

sueddeutsche.de: Die IKB spekulierte im amerikanischen Subprime-Markt, also mit komplizierten Papieren auf hochriskante Immobilienkredite.

Wenger: Das hätte die Bank eigentlich nicht machen dürfen. Offensichtlich war der Aufsichtsrat unfähig, das unter Kontrolle zu halten. Und dann sind die Bankmanager Amok gelaufen.

sueddeutsche.de: Die staatliche KfW hat als Hauptaktionärin bereits hohe Summen in die Rettung der IKB gepumpt. Ist jetzt eine Grenze erreicht?

Wenger: Das lässt sich gar nicht mehr beurteilen. Es werden alle paar Wochen neue Risiken entdeckt - und dann verlieren wir wieder zwei Milliarden an einer Ecke, wo es angeblich so ausgesehen hätte, als sei alles sicher.

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