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Debatte um Wohnungsbau:Der Markt hat versagt, nichts ist gut

So mancher Urbanistik-Professor zweifelt daran und rechnet damit, dass es nur eine Perspektive für Deutschlands Großstädte gibt: Irgendwann könnten die Menschen nicht mehr in die Metropolen drängen, weil schlicht kein Wohnraum mehr da sei. Wer wird dann dort leben? Diejenigen, die es sich leisten können.

Sozialwohnungen

Zahlreiche Städte haben ihre Wohnungen bereits an private Investoren verkauft. Zurzeit bangen die nächsten Mieter in Bayern.

(Foto: dpa)

Wie es aussieht, wird sich dieser Trend leider verstärken. Zahlreiche Städte haben ihre Wohnungen bereits an private Investoren verkauft. Zurzeit bangen die nächsten Mieter in Bayern.

Es geht um die gemeinnützige GBW, die allein in München mehr als 10.000 Wohnungen besitzt. 92 Prozent der GBW-Anteile gehören der angeschlagenen Bayerischen Landesbank, die sich auf Druck der EU-Kommission davon trennen muss. Die Mieter fürchten nun den Verkauf an einen Finanzinvestor, dem ökonomischer Profit wichtiger ist als Mieterschutz.

In Baden-Württemberg ist die Entscheidung schon gefallen: Den Zuschlag für gut 20.000 Wohnungen der Stuttgarter Landesbank bekam ein privates Unternehmen; der staatsnah-genossenschaftliche Konkurrent bot etwas weniger Geld und ging deshalb leer aus. Bleibt zu hoffen, dass es den Mietern nicht so ergeht wie jenen in Dresden, wo die Immobilienfirma Gagfah die Häuser verkommen ließ.

Es ist an der Zeit, dass die Gesellschaft darüber diskutiert, wie Wohnbau sozial gestaltet werden kann. Zu lange galt die Idee des staatlich geförderten Wohnens als Relikt vergangener Jahrzehnte - schon wahr, es wurden Fehler gemacht. Was darauf folgte, war aber nicht besser; es wurde privatisiert, viele Stadtkämmerer unterwarfen sich dem Dogma der Banken- und Finanzwelt: Alles wird schon gut, wenn der Markt es richtet. Aber der Markt hat versagt, nichts ist gut.

So knapp die Kassen des Bundes, der Städte und Kommunen auch sein mögen, sie dürfen nicht aufhören, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Öffentliche Freiflächen sollten nicht meistbietend versteigert, sondern für neue Quartiere genutzt werden. Und weil der Platz in den Metropolen ohnehin knapper wird, dürfen auch Hochhäuser kein Tabu sein.

Es gibt sie ja durchaus, die positiven Beispiele: Private Immobilienfirmen arbeiten mit der Stadtverwaltung zusammen und verwirklichen neue Bauprojekte, bei denen die soziale Mischung stimmt. Am Ende profitieren davon alle, denn es ist die Begegnung von Arm und Reich, die der Stadt von jeher ihren Reiz verleiht. Das städtische Leben muss für Bürger aller Einkommensschichten bezahlbar bleiben. Die Zentren der Republik dürfen nicht zu Reichen-Ghettos verkommen.

© SZ vom 02.08.2012/rela

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