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Debatte um Währungssystem:Attacken auf den Dollar

Russlands Präsident Medwedew fordert eine neue Leitwährung. Wie zuvor schon die Chinesen will er das IWF-Kunstgeld ausbauen und Rohstoffe und Gold decken.

Im Kampf um Konzepte zur Lösung der Finanzkrise wird der Ton immer schärfer - und die internationalen Gegensätze größer. Während die Amerikaner und Europäer versuchen, in erster Linie über eine schärfere und einheitliche Regulierung für die Geldbranche Vertrauen in die bestehende Finanzordnung wiederherzustellen, fordern Chinesen und Russen immer vehementer eine Abkehr vom bisherigen Währungssystem.

Dollarschein, Getty

Der Dollar war als Leitwährung einst unangefochten. Jetzt schwächelt er, und Länder wie Russland und China stellen seinen Status als Leitwährung in Frage.

(Foto: Foto: Getty)

"Wir müssen das internationale Währungssystem stärken, nicht nur mittels einer Konsolidierung des Dollars, sondern über die Schaffung neuer Reservewährungen", sagte der russische Präsident Dimitri Medwedew am Dienstag auf einer Konferenz mehrerer asiatischer Staaten in Jekaterinburg.

Sein Wirtschaftsberater Arkadi Dworkowitsch kündigte an, Moskau werde einen Teil seiner Reserven in Brasilien, China und Indien anlegen. Die Börsen reagierten prompt: Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen sanken, der Dollar geriet unter Druck.

Deutlicher Aufruf

Medwedews Vorstoß ist der jüngste und bisher deutlichste Aufruf an die westlichen Industriestaaten, sich an einer Diskussion über eine neue Weltfinanzordnung zu beteiligen, die bislang vorwiegend in Asien, dem Nahen Osten und Teilen Südamerikas geführt wird. Es geht darum, den Dollar als bislang unangefochtene Leitwährung im Welthandel und als Reservewährung allmählich abzulösen, weil dies immer weniger den tatsächlichen Machtverhältnissen auf den Weltmärkten entspricht.

Der Dollar hatte nach dem Zweiten Weltkrieg das britische Pfund als wichtigste Währung abgelöst. Die Vereinigten Staaten waren damals die mit Abstand reichste und wachstumsstärkste Wirtschaftsmacht. Auf der Währungskonferenz von Bretton Woods im Jahr 1944 war entsprechend eine Geldordnung beschlossen worden, die den Dollar auch nominell zur wichtigsten Währung machte. Andere Devisen wurden in ein festes Verhältnis zur US-Währung gesetzt.

Jeder Dollar-Schein enthielt das Versprechen, jederzeit bei der US-Zentralbank in Gold eingelöst werden zu können. Für 35 Dollar gab es eine Unze (31,1 Gramm) des Edelmetalls. Der Geldpolitik der Federal Reserve waren damit Grenzen gesetzt. Der Dollar entwickelte sich zum beliebtesten Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel der Welt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Interessen China und Russland als größte Gläubiger der USA vertreten - und warum sie vorerst dennoch zum Dollar als Leitwährung stehen.

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