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Debatte um Ehegattensplitting:Ende der steuerlichen Zweisamkeit

Ehegattensplitting könnte zu einem zentralen Thema im Bundestagswahlkampf werden

Ehegattensplitting: wohl eines der zentralen Themen im Bundestagswahlkampf

(Foto: dpa)

Wer mittendrin stehen will im Sturm der Entrüstung, muss nur eines tun: die Abschaffung des Ehegattensplittings fordern. Jahrzehnte stand es für die gerechte Besteuerung von Familien. Nun sehen einige das ganz anders.

Auf einmal wird das Ehegattensplitting wieder heiß diskutiert. Es ist ein heikles Thema. Wie heikel, zeigen unzählige Kommentare im Internet. Während sich dort viele mit Verve für das Splitting aussprechen, argumentieren andere nicht weniger leidenschaftlich dagegen: Es sei nicht mehr zeitgemäß. Es fördere Ehen statt Familien mit Kindern. Zudem sei es frauenfeindlich, weil es für Frauen dadurch uninteressanter werde, eine bezahlte Arbeit aufzunehmen.

Spätestens seitdem die Grünen auf ihrem Parteitag beschlossen haben, das Ehegattensplitting schrittweise abzuschmelzen, steht fest: Die Debatte darüber wird eines der zentralen Themen im Bundestagswahlkampf. Zuvor hatte bereits die SPD angekündigt, das Splitting für neu geschlossene Ehen streichen zu wollen. Doch wieso ist das Ehegattensplitting überhaupt so umstritten?

Es hatte ja einmal gute Gründe gegeben, warum es eingeführt wurde. So hatte das Bundesverfassungsgericht 1957 die bis dahin übliche Zusammenveranlagung von Ehegatten kritisiert, weil bei ihr manche Ehepaare höher besteuert wurden als andere, obwohl ihr Gesamteinkommen gleich war.

Einkommen von Verheirateten zusammengerechnet

Der Gesetzgeber reagierte, indem er das Splitting einführte. Dabei werden die beiden Einkommen von Verheirateten zusammengerechnet und durch zwei geteilt. Die Steuer, die sich daraus ergibt, wird dann wieder mit zwei multipliziert. Steuerlich werden die Eheleute also so gestellt, als hätte jeder exakt gleich viel zum Familieneinkommen beigetragen.

Fände diese Aufteilung nicht statt, könnte das wegen des progressiven Einkommensteuertarifs, bei dem der Steuersatz mit zunehmendem Einkommen steigt, zu einer Ungleichbehandlung führen. So müsste ein Ehepaar, bei dem einer viel und der andere wenig verdient, am Ende mehr Steuern zahlen als ein Paar, bei dem beide gleich viel verdienen - und das, obwohl das Haushaltseinkommen in beiden Fällen gleich hoch ist. Wie sich das auswirken kann, zeigt die folgende Berechnung für ein Haushaltseinkommen von 80.000 Euro, die der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) anhand des Steuertarifs 2013 erstellt hat.

Variante eins: Mann und Frau verdienen beide jeweils 40.000 Euro. Werden sie zusammen veranlagt, so fielen für beide in diesem Jahr jeweils 8983 Euro an Steuern an (ohne Solidaritätszuschlag), zusammen also 17.966 Euro. Das entspricht exakt dem Betrag, der auch bei einer individuellen Besteuerung von nichtverheirateten Paaren fällig wäre.