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Dax stürzt auf Jahrestief:Schuldenkrise löst Panik am Aktienmarkt aus

"Jetzt brechen die letzten Dämme": Nach den Aussagen von Kommissionspräsident Barroso und EZB-Chef Trichet zur Schuldenkrise rauscht der Dax in den Keller, verliert mehr als drei Prozent und notiert auf einem Ganzjahrestief. Doch auch andere Indizes verlieren enorm - allen voran der Dow Jones.

Die Angst vor einer neuerlichen Eskalation der Schuldenkrise lässt die Börsen massiv einbrechen: Der Dax bewegte sich am Donnerstag immer weiter nach unten, markierte ein Jahrestief und stand zwischenenzeitlich bei nur nur 6391,54 Punkten. Das war der niedrigste Stand seit Mitte Oktober 2010. Bis zum Handelsschluss erholte er sich leicht, notierte am Ende aber mehr als drei Prozent im Minus bei 6441,20 Punkten.

Anspannung an der Börse in New York: Auch der Dow Jones verliert.

(Foto: AP)

"Jetzt brechen die letzten Dämme", kommentierten Börsianer den Kursrutsch unter das März-Tief nach der japanischen Erdbebenkatastrophe. Ein Händler sieht gar noch Schlimmeres auf den Dax zukommen: "Wenn man auf die Kurse von 2008 sieht, ist noch Speck dran." Offensichtlich fallen im Moment auch etliche Stop-Loss-Marken von Anlegern, die sich mit automatischen Verkaufsorders für bestimmte Tiefstkurse gegen Verluste abgesichert haben.

Die Kursverluste der vergangenen Tage haben den Börsenwert der 30 größten deutschen Konzerne um fast 100 Milliarden Euro geschmälert. Besonders hart waren die Banken betroffen. Auch die Rohölpreise fielen am Donnerstag, Gold dagegen stieg auf einen neuen Rekordwertpreis. Der Dax verlor den siebten Tag in Folge. Vor einer Woche hatte der wichtigste deutsche Index noch bei mehr als 7300 Punkten gelegen.

Aber nicht nur der Dax stürzte ab, weltweit fielen die Börsen am Nachmittag dramatisch. In New York stand der Dow-Jones-Index bei Handelsschluss mit 4,3 Prozent im Minus und damit so niedrig wie seit Dezember 2010 nicht mehr. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank gar um 5,1 Prozent. Auch die wichtigen europäischen Börsen in London, Paris, Mailand und Madrid notieren jeweils zwischen 2,5 und 3,5 Prozent schwächer als am Vortag.

Zuvor hatte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso angesichts eines möglichen Übergreifens der Schuldenkrise auf Italien und Spanien Alarm geschlagen: Er forderte die Staats- und Regierungschefs der Eurozone in einem am Donnerstag bekannt gewordenen Brief auf, "alle Elemente" der gemeinsamen Euro-Rettungsfonds "schnell" einer umfassenden Prüfund zu unterziehen.

Die Europäische Zentralbank verstärkte am Donnerstag wiederum ihren Kampf gegen die Schuldenkrise. Sie kaufte erstmals seit vier Monaten wieder Staatsanleihen auf und kündigte an, die Märkte weiter mit frischem Geld zu versorgen.

Unterdessen hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy für diesen Freitag eine Telefonkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt. Auch Spaniens Ministerpräsident José Luis Zapatero werde teilnehmen, teilte Sarkozys Büro am Donnerstagabend mit. Gemeinsam wolle man nach einem Weg suchen, um die europäische Schuldenkrise in den Griff zu bekommen.

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