Das Modell Liechtenstein Diskret - und abweisend

Wenn es um Steuerhinterziehung geht, taucht der Name Liechtenstein besonders häufig auf. Fragen und Antworten rund um das Modell Liechtenstein.

Von Hans von der Hagen

Warum wird Liechtenstein besonders häufig im Zusammenhang mit Steuerhinterziehungsfällen genannt?

Liechtenstein hat ein striktes Bankgeheimnis und leistet praktisch keine Rechts- oder Amthilfe bei steuerlichen Delikten. Nur bei dem Skandal um die schwarzen Kassen der CDU sollen die Liechtensteiner freiwillig den deutschen Behörden geholfen haben. Liechtenstein zählt damit neben Gibraltar, Andorra und den Kanalinseln zu den diskretesten Bankplätzen in Europa. Die benachbarte Schweiz hat ebenfalls ein starkes Bankgeheimnis, leistet aber eher Rechtshilfe.

Auf welche Weise wird das Geld in Liechtenstein üblicherweise angelegt?

Häufig werden Stiftungen gegründet, auf deren Namen dann bei liechtensteinischen oder Schweizer Banken Konten eröffnet werden. Konten können aber auch direkt ohne Einschaltung einer Stiftung eröffnet werden.

Sind Stiftungen und Geldanlagen in Liechtenstein illegal?

Nach liechtensteinischem Recht sind die Stiftungen völlig legal. Aus deutscher Sicht ist vieles, was in diesen Stiftungen passiert, problematisch - vor allem dann, wenn das Vermögen aus illegalen Geschäften stammt, in Deutschland nicht versteuert wurde oder später die Erträge auf die Geldanlagen in der Steuererklärung nicht ordnungsgemäß angegeben werden.

Warum wird häufig das Modell Stiftung gewählt?

Die Einrichtung von Stiftungen ist nach liechtensteinischem Recht vergleichsweise einfach: Sie kann mit wenig Aufwand gegründet werden und die laufende Verwaltungsgebühr etwa für die Stiftungsräte ist mit einigen zehntausend Franken vergleichsweise gering.

In Deutschland sind Familienstiftungen, mit denen das Familienvermögen gebündelt und an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden kann, kaum zu realisieren. Wenn hierzulande das Geld in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht wird, ist es weg - in Liechtenstein, Österreich oder der Schweiz kann es für die Familie erhalten bleiben.

Wie funktioniert eine Familienstiftung?

Nach Einrichtung der Stiftung geht das Vermögen auf die Stiftung über: Das Geld wird auf das Konto der Stiftung transferiert. Die Stiftung ist dann Vermögensträger und verpflichtet, den Stifter zu unterstützen.

In der Regel gibt es Zweit- und Drittbegünstigte, die die Erträge der Stiftung bekommen, wenn der Stifter nicht mehr lebt. In vielen Fällen hat der Stiftungsrat die letzte Entscheidung, so dass die nachfolgend Begünstigten keinen unmittelbaren Zugriff auf das Vermögen haben: Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einer Art "Bevormundung", weil die Begünstigten nur die Erträge bekommen, aber nicht bestimmen können, wie das Geld angelegt wird.

Wie muss das Stiftungsvermögen aus deutscher Sicht besteuert werden?

Die Zuführung von Vermögen in eine echte ausländische Stiftung wird in der Regel wie eine Schenkung behandelt und muss auch entsprechend versteuert werden. Wird Vermögen bei Auflösung der Stiftung zurücktransferiert, fällt erneut Schenkungsteuer an. Und wenn in Liechtenstein die Stiftung gewechselt werden sollte, kann ein weiteres Mal Schenkungsteuer anfallen.

Außerdem unterliegen die Erträge der Stiftung bei den Begünstigten der Einkommensteuer. Es ist allerdings auch denkbar, dass Stiftungen in manchen Konstellationen steuerlich wie ein treuhändisch verwaltetes Bankkonto behandelt werden - eine entsprechende Grundsatzentscheidung hat unlängst der Bundesfinanzhof gefällt.

In dem Fall würde weder die Zuführung von Vermögen noch die Rücktransferierung Schenkungsteuer kosten, allerdings fiele bei Übertragung des Vermögens von einer auf die nächste Generation Erbschaftsteuer an. Natürlich fällt auch Einkommensteuer auf die Erträge an.