Crash-Prophet Max Otte "Der Euro ist Unsinn"

Früh warnte Max Otte vor der Finanzkrise, die dann prompt kam. Nun kritisiert er den Euro. Doch Banker verteidigen die Währungsunion. Die Gemeinschaftswährung helfe vor allem Deutschland.

Von Alexander Hagelüken

Max Otte, Professor in Worms, wurde als Krisenprophet bekannt. Früh sah er voraus, dass der Finanzboom der Nullerjahre in ein Debakel münden würde. "Der Crash kommt" heißt das Buch, in dem er schon 2006 vor Problemen warnte, die den Globus anschließend heimsuchten.

Wirtschaftsprofessor Max Otte: Ihm ist die aktuelle Rettung Irlands mit EU-Milliarden zu viel des Guten für die Banken.

(Foto: Robert Haas)

Jetzt erregt er wieder mit einer These Aufsehen: "Der Euro", so sagt es Otte bündig, "ist Unsinn." Das sei bereits seit den Arbeiten des US-Ökonomen Robert Mundell über optimale Währungsräume in den sechziger Jahren klar. Weil die Zukunft der Währungsunion angesichts all der Probleme Irlands, Griechenlands und anderer Staaten derzeit so stark diskutiert wird, stand der Euro im Zentrum der Podiumsdiskussion über staatliche Bankenrettung.

Dirk Notheis, oberster Investmentbanker in Deutschland der amerikanischen Bank Morgan Stanley, hielt bei Ottes Thesen dagegen: "Der Euro ist für Deutschland ein Glücksfall." Wenn es heute noch die Mark gäbe, stünde sie seiner Meinung nach eins zu acht zum Dollar - schlecht für den deutschen Export, der dem Land gerade wieder einen Aufschwung aus der Krise beschert. "Das wäre der Killer für den Industriestandort Deutschland."

"Wir haben uns in eine Spekulationswirtschaft entwickelt"

Auch Maurice Thompson, Deutschlandchef der amerikanischen Großbank Citigroup, mochte Ottes Pessimismus nicht teilen. Doch der Crash-Prophet ließ nicht locker. Ihm ist die aktuelle Rettung Irlands mit EU-Milliarden zu viel des Guten für die Banken. All die Geldhäuser, die so viel in irische Anleihen investiert hätten, sollten doch die Verluste hinnehmen: "Das ist Marktwirtschaft". Und die Folgen aus der Finanzkrise für die Banken? Otte will den Geldhäusern einen dicken Puffer aus Eigenkapital vorschreiben, sechs bis acht Prozent: "Dann wären wir ein Stück weiter."

"Eine neue Regulierung war notwendig", sagt Maurice Thompson mit Blick auf die Fehlentwicklungen in der Branche. Auch Dirk Notheis von Morgan Stanley sieht "eine erhebliche Verantwortung" der Banker für die Finanzkrise. "Wir haben uns in eine Spekulationswirtschaft entwickelt." Notheis plädiert aber für Differenzierung bei den Instrumenten, um die es geht.

So setzt er sich für mehr Verbriefung von Krediten ein, ausgerechnet für jenes Instrument also, dessen bedenkenloser Gebrauch die Krise mit auslöste. Notheis: "Die deutschen Mittelständler brauchen Kapital." Eine Finanzierung über den Kapitalmarkt schließe die klassische deutsche Unternehmensfinanzierung über Kredite nicht aus.

"Das alte System war leistungsfähiger"

Widerspruch dazu kam von Max Otte. Das deutsche Bankensystem habe von 1870 bis 1990 gut funktioniert, so der Betriebswirtschaftsprofessor. Inzwischen aber habe die Finanzierung über den Kapitalmarkt die klassischen Kredite in den Hintergrund gedrängt, zum Schaden der Wirtschaft: "Das alte System war leistungsfähiger."

Stimmt das? Notheis versucht, seinen Standpunkt mit einem Beispiel aus der eigenen Praxis zu belegen. Das Traditionsunternehmen Heidelberg-Cement stand vor großen Problemen, als seine Bank den Auftrag bekam, eine Finanzierung zu organisieren. Binnen kurzer Zeit habe er am Kapitalmarkt mehr als vier Milliarden Euro akquiriert, vor allem aus Großbritannien und den USA: "Wenn wir das nicht geschafft hätten, würde es das Unternehmen mit 8000 Mitarbeitern heute nicht mehr geben."