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Crash-Angst wegen US-Herabstufung:Tag 1 nach AAA - alles auf Anfang

Droht der Welt ein Schwarzer Montag? Erst wenn am Nachmittag deutscher Zeit die Wall Street öffnet, wird sich zeigen, wie folgenschwer die Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch S&P wirklich ist. Erstmals eröffnen die Weltbörsen den Handel, ohne dass US-Anleihen die Bestnote aller Agenturen haben.

Wenn die Wall Street an diesem Montag erwacht, dann müssen sich die Meister des großen Geldes in einer veränderten Welt zurechtfinden. Zum ersten Mal seit 70 Jahren hat die Ratingagentur Standard & Poor's dem wichtigsten Wertpapier der Welt, der US-Staatsanleihe ("Treasury"), die Bestnote AAA entzogen. Mit AA+ steht die Supermacht jetzt auf einer Ebene mit Neuseeland und dem hochverschuldeten Belgien. Am Sonntagabend wagte niemand eine Prognose, wie die ohnehin hypernervösen Finanzmärkte reagieren werden, wenn in New York um 9.30 Uhr (Ortszeit) der Börsenhandel beginnt.

Die Konsequenzen "werden sicher nicht nett sein", sagt Harm Bandholz, Chefvolkswirt für Unicredit in New York. Mohamed El-Erian, Chef von Pimco, dem größten Anleihehändler der Welt, warnte: "Wir wissen schlicht nicht, wie das globale Finanzsystem ohne das AAA funktioniert. Wir werden eine Reihe von Anpassungsprozessen durchmachen, die sehr teuer werden können. Wir befinden uns im Land des Unvorhersehbaren." Was die Herabstufung der USA von der aller anderen Länder unterscheidet, ist die schiere Menge an Staatsanleihen, die Washington emittiert.

Gut 60 Prozent aller mit AAA bewerteten Staatspapiere auf der Welt sind (genauer: waren) US-Treasurys. Deutsche Bundesanleihen machen zehn Prozent aus, französische neun Prozent, britische acht und kanadische fünf Prozent. Die Rechnung hat für Amerikaner auch etwas Beruhigendes: Wohin sollen Anleger mit ihrem Geld gehen, wenn sie aus US-Anleihen fliehen wollen? Der Markt für europäische Anleihen ist zu klein, zudem hat Europa seine eigene Schuldenkrise.

Dies bringt die meisten Experten zu dem Schluss, dass die Folgen der S&P- Entscheidung für US-Kreditnehmer begrenzt sein werden, zumindest auf mittlere Sicht. Es dürfte auch nicht allzu viele Fonds geben, die jetzt gezwungen sein werden, US-Papiere zu verkaufen. Schließlich haben die S&P-Konkurrenten Moody's und Fitch ihre Spitzennoten für die USA beibehalten. Die Finanzierungskosten dürften daher nicht allzu steigen. Hoffnung können die USA auch aus dem Beispiel Japans schöpfen. Die Lage der Staatsfinanzen dort ist viel schlimmer.

Der Anteil der Staatsschuld am Bruttoinlandsprodukt ist zweieinhalb mal so hoch wie in den USA (236 Prozent), S&P hat seine Note auf AA- herabgesetzt, der Ausblick ist negativ. Trotzdem muss die Regierung in Tokio nur 1,01 Prozent an Zinsen zahlen, wenn sie eine neue Anleihe begibt. Zuletzt war der japanische Yen eine regelrechte Fluchtwährung für verängstigte Anleger. Das japanische Kreditrating spielt momentan praktisch keine Rolle.

Staaten mit S&P-Rating AAA

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