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Commerzbank und Dresdner Bank:Gelb-grüne Allianz

Kurz vor der Zielgeraden: Die Commerzbank will die Dresdner Bank übernehmen, doch der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern. Am Wochenende soll die Entscheidung fallen.

Der grüne Teppich sage nichts über den Stand der Fusionsgespräche mit der Dresdner Bank, versicherte Martin Blessing vor zwei Wochen. Der Commerzbankchef hatte den Stoff für den Deutschen Fußballbund (DFB) ausrollen lassen. Da feierten sie in Deutschlands höchstem Hochhaus ausgelassen eine neue Partnerschaft mit dem DFB. Kaum mehr als einer SMS des fußballvernarrten Aufsichtsratschefs Klaus-Peter Müller soll es gebraucht haben, um den Pakt zu schließen.

Gelb-grüne Gedankenspiele: Die Commerzbank hat Interesse an der Dresdner Bank.

(Foto: Foto: AP)

Trotzdem lächelte Blessing etwas gequält. Vermutlich, weil dieses Grün eben immer an die Dresdner Bank erinnert. Und weil der Pakt mit dem Konkurrenten so viel schwieriger und folgenschwerer ist als die Spielerei mit den Fußballern. Die Fusion ist auch nach 1000 SMS nicht besiegelt. Aber sie ist zum Greifen nah.

Seit Monaten verhandeln die Nummer zwei und die Nummer drei unter den deutschen Großbanken über einen Zusammenschluss. Am kommenden Wochenende wollen die Aufsichtsgremien der Commerzbank und des Versicherungskonzerns Allianz, zu dem die Dresdner Bank gehört, über den Zusammenschluss entscheiden. Aber alle, die im Vertrauen über das Thema sprechen, sagen am Ende immer, dass der Plan im letzten Moment noch scheitern könne.

Unglückliche Ehe

Davor haben alle Beteiligten panische Angst. Denn die Geschichte deutscher Bankenfusionen ist eine Geschichte des Scheiterns. Im Jahr 2000 platzte in letzter Minute ein Zusammenschluss der Deutschen Bank mit der Dresdner Bank. Die Commerzbank prüfte Fusionen mit der Hypo-Vereinsbank und der Dresdner Bank - vergeblich. Stattdessen schnappte sich die italienische Unicredit später die HVB. Bis heute ist die Allianz der einzige deutsche Finanzkonzern, der eine deutsche Großbank übernahm.

Doch die Ehe mit der Dresdner war nie glücklich. Versicherungen und Bankprodukte sollten aus einer Hand angeboten werden, beide Geschäfte sich gegenseitig befruchten. Das Allfinanz-Konzept ging nicht auf. Gebeutelt von der Finanzkrise kehrt die Allianz nun zur reinen Lehre zurück: Eine Versicherung ist eine Versicherung - um Policen über Bank-Filialen zu vertreiben, muss man die Bank mit all ihren Risiken nicht besitzen.

Job-Kahlschlag wird befürchtet

Deutsche Privatbanken sind im Wettbewerb mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken um Privatkunden zu schwach. Deshalb wollen sie sich jetzt erneut zu größeren Instituten zusammenschließen.

Übernimmt die Commerzbank die Dresdner ist die Machtfrage rasch geklärt. Auch wenn beide mit mehr als 25.000 Mitarbeitern und etwa sechs Millionen Kunden in Deutschland etwa gleich groß sind: Die Commerz-Banker um Blessing werden dominieren, weil die Dresdner ihre Eigenständigkeit längst verloren hat.

Die entscheidende Frage wird jetzt sein, welchen Preis Blessing für diese Dominanz zu zahlen bereit ist. Knapp neun Milliarden Euro sollen es sein. Dafür wird die Allianz knapp 30 Prozent an der neuen Bank halten und sich so einen noch größeren Vertriebskanal sichern. Zu den 1074 Dresdner-Bank-Filialen kommen mehr als 820 Niederlassungen der Commerzbank - zunächst. Da an vielen Plätzen die grüne Dresdner und die gelbe Commerzbank Tür an Tür stehen, wird es Filialschließungen geben.

Die Netze überlappen sich zu einem Drittel, schätzen Analysten. Auch ein Fünftel aller Stellen, also bis zu 10.000, könnten wegfallen. Ob Teppiche und Schilder in den Filialen am Ende gelb oder grün sein werden, ist das kleinste Problem, das Blessing bis zum Wochenende lösen muss.