Commerzbank und Dresdner Bank Beraten und verkauft

24,5 Milliarden Euro hatte die Allianz für das Frankfurter Geldhaus gezahlt, zu einer Zeit, als die Aktienkurse schon bröckelten, aber kaum einer hätte gedacht, dass Börse und Finanzbranche noch zwei weitere Jahre lang abstürzen würden. Schnell hieß es, Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner, der als Architekt der Übernahme galt, habe einen viel zu hohen Preis bezahlt.

Finanzkrise im Zeitraffer

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Dieckmann hisste die weiße Flagge

Bald galt unter Analysten die Dresdner als Klotz am Bein der Allianz.Doch der Versicherer hatte selbst seinen Anteil daran, dass die Dresdner unter seiner Obhut nicht gedieh. Die prosperierende Fondsgesellschaft Dit holte die Allianz ganz zu sich herüber, ihre Gewinne schlugen fortan in der Bilanz der Mutter zu Buche. Das in diesen Jahren schwierige, margenschwache Privat- und Firmenkundengeschäft blieb bei der Dresdner Bank.

Lange hielten Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle und auch sein Nachfolger Dieckmann dennoch an der Dresdner Bank fest. Erst als die von Amerika ausgehende Kreditkrise der Investmentbank Dresdner Kleinwort Verluste in Milliardenhöhe bescherte, hisste Dieckmann vor den Aktionären die weiße Flagge. Er stellte die Bank im Frühjahr 2008 zum Verkauf.

Doch die Bank, deren Investmentbanking einst als Juwel bezeichnet wurde, ist heute in den Augen mancher Analysten nicht viel mehr als eine Glasperle. Nur wenige Kaufinteressenten wurden bei Dieckmann und Achleitner vorstellig, Namen wie Lloyds TSB und Santander rückten rasch wieder in den Hintergrund.

Nur die Commerzbank und die China Development Bank (CDB) legten schließlich konkrete Angebote vor. Rasch war klar, dass nicht nur die deutsche Politik, sondern auch die Allianz selbst die Commerzbank favorisierte. Die Chinesen, so heißt es im Umfeld der CDB, fühlten sich als stalking horse missbraucht.

So nennen Investmentbanken einen Lockvogel, der letztlich einen anderen Wunschpartner gefügig machen soll. So dürfte die chinesische Förderbank wohl nur dann zum Zuge kommen, wenn die Gespräche mit der Commerzbank doch noch in letzter Minute platzen. Die Skepsis aber bleibt, dass genau das passiert. Bis zum Schluss.