Commerzbank:Kein Geld. Nirgends

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Tausende Kunden der Commerzbank werden tagelang nicht an ihr Geld kommen - weder am Automaten, noch bei fremden Instituten und auch beim Einkaufen mit der Karte, aus technischen Gründen. Das Institut rät zur Vorsorge.

Harald Freiberger

Kunden der Commerzbank müssen am nächsten Wochenende und über Ostern aufpassen, dass sie nicht plötzlich ohne Geld dastehen. Weil die Computersysteme der Commerzbank und der übernommenen Dresdner Bank vereinheitlicht werden, funktioniert die Debitkarte (früher EC-Karte) von 140.000 Kunden am neunten und zehnten April sowie von Karfreitag bis Ostersonntag nicht. Es wird unmöglich sein, Geld abzuheben oder in Geschäften mit der Karte und PIN-Nummer zu bezahlen.

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Noch ein letztes Mal nachjustieren, dann soll die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank abgeschlossen sein. Die letzte technische Umstellung sorgt aber dafür, dass 140.000 Kunden tagelang nicht an ihr Geld kommen.

(Foto: dapd)

Als Ursache führt ein Sprecher "technische Gründe" an. Er betont, dass nur ein kleiner Teil der insgesamt elf Millionen Kunden betroffen sei. Jeder von ihnen sei angeschrieben worden. Die Bank empfiehlt den Betroffenen in dem Schreiben, sich vor den Tagen mit Bargeld einzudecken. Wer das versäumt, hat ein Problem, denn er erhält nicht nur an den eigenen Geldautomaten kein Bares, sondern auch bei fremden Instituten.

Die übrigen Commerzbank-Kunden kommen zwar an Bargeld, doch für alle gelten an den sechs Tagen Einschränkungen an den Selbstbedienungsterminals, beim Online- und Telefonbanking. Ein Prospekt, das in den Filialen ausliegt, informiert darüber.

So ist es am kommenden Wochenende und über Ostern nicht möglich, an den Selbstbedienungsschaltern Kontoauszüge oder Übersichten über das eigene Depot zu drucken. Auch Überweisungen und Daueraufträge funktionieren nicht. Das Telefonbanking ist ebenfalls außer Kraft. Dasselbe gilt für das Online-Banking, allerdings mit einer Ausnahme: Die Kunden der früheren Dresdner Bank können es am neunten und zehnten April nutzen.

Endspurt der Fusion

Hintergrund ist, dass die Commerzbank in den Endspurt der Fusion geht. An den sechs Tagen werden alle Daten der drei Millionen Kunden der früheren Dresdner Bank auf die nun gemeinsame EDV übertragen. Im August vergangenen Jahres hatte es schon einmal ein Wochenende gegeben, an dem die Kunden teilweise vom System abgeschnitten waren; damals vereinheitlichte die Bank ihre EDV und schuf die technischen Voraussetzungen für die Zusammenführung der Daten. Wenn diese nun nach Ostern übertragen sind, ist die Fusion rein technisch über die Bühne. Die Dresdner Bank, deren Name schon im letzten Sommer von allen Filialen verschwand, ist damit endgültig Geschichte.

Personalvorstand Ulrich Sieber, der für die Fusion zuständig ist, nannte das Projekt einmal "so komplex wie die Jahr-2000- und die Euro-Umstellung zusammen". Insgesamt gibt es nach Ostern etwa 150 Änderungen für einstige Dresdner-Kunden, zum Beispiel neue Service-Rufnummern oder Kündigungsfristen. Die meisten Änderungen hätten keine Auswirkungen auf Gebühren und Konditionen, so die Commerzbank. Für manchen Ex-Dresdner-Kunden könne aber die Kontoführung um bis zu 95 Cent je Monat teurer werden.

Kapitalerhöhung geplant

Für den Vorstand steht derzeit noch etwas anderes auf der Tagesordnung: Die erwartete große Kapitalerhöhung, mit der die Bank ihre Staatshilfe zurückzahlen will. Sie sei dafür grundsätzlich startklar, hieß es am Dienstag in Finanzkreisen. Um jederzeit auf günstige Marktkonditionen reagieren zu können, habe die Bank eine Handvoll Varianten ausgearbeitet, die sie alternativ umsetzen könne. Details dürfte es noch diese Woche geben, wenn die Bank zu ihrer Hauptversammlung am 18. Mai einlädt.

Die Deutsche Bank hat solche Details indes schon genannt: Sie will sich am 26. Mai auf der Hauptversammlung eine Aufstockung des Grundkapitals um die Hälfte genehmigen lassen; damit könnte das Institut theoretisch 18 Milliarden Euro einnehmen. In der Praxis ist eine Kapitalerhöhung für die Deutsche Bank in nächster Zeit aber kein Thema. Sie hat sich erst Ende letzten Jahres zehn Milliarden Euro auf dem Kapitalmarkt besorgt.

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