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Citigroup: Banker im Bonuswahn:274.000 Dollar - für jeden Tag

Die Citigroup in der Zwickmühle: Ein Banker dringt auf 100 Millionen Dollar Jahresbonus und droht vorsorglich mit Kündigung. Das Problem: Seine Sparte ist höchst erfolgreich.

Es ist ein großes Dilemma, in dem die US-Großbank Citigroup steckt: Da ist ein leitender Angestellter, dessen Abteilung gute Gewinne macht und der einen Teil vom Kuchen abbekommen möchte. Genauer gesagt: 100 Millionen Dollar für die Privatkasse für ein Jahr - oder 274.000 Dollar Tagesgage. Vor einem Jahr wäre das Drängen von Andrew Hall, dem Leiter der Energie- und Rohstoff-Handelssparte der Citigroup, weniger aufgefallen.

Citigroup, Reuters

Ein Banker fordert von dem US-Institut Citigroup einen Bonus von 100 Millionen Dollar - seine Abteilung fährt auch hohe Gewinne ein.

(Foto: Foto: Reuters)

Doch jetzt herrscht Krise, das marode Institut wird mit Milliardenbeträgen von der US-Regierung am Leben gehalten - und schon entbrennt wieder eine Debatte über gierige Banker und ihre Boni.

Andrew Hall habe bereits mit seiner Kündigung gedroht, sollte ihm sein Riesen-Bonus nicht ausgezahlt werden, berichtet das Wall Street Journal. Der 58 Jahre alte Banker ist auch in Deutschland kein Unbekannter. Hall gehört seit 2006 das Schloss Derneburg im Landkreis Hildesheim - einst im Besitz des Künstlers Georg Baselitz. Berichten zufolge zählt Hall zu den größten Sammlern zeitgenössischer Kunst weltweit.

Baselitz, der durch seine auf den Kopf gestellten Bilder zu Weltruhm gelangte, hatte 30 Jahre lang in dem ehemaligen Zisterzienser-Kloster aus dem Mittelalter gelebt und gearbeitet. Das 4000-Quadratmeter-Schloss soll rund 80 Zimmer haben und verfügt über einen riesigen Park.

Überdurchschnittliche Gewinne

Halls Bereich bei der Citigroup mit dem Namen Phibro fährt für die zu den größten Verlierern der Finanzkrise zählende Bank oft überdurchschnittliche Gewinne ein. Die Citigroup ist damit in der Zwickmühle.

Zahlt sie das Mega-Gehalt aus, riskiert sie einen öffentlichen Skandal und einen Konflikt mit der Regierung. Andererseits könnte ein Gehaltsstreit mit Hall die Bank bei einem Weggang des Star-Traders Gewinne kosten.

Bereits im Jahr 2008 hatte der Händler mehr als als 100 Millionen Dollar (70 Millionen Euro) erhalten. Für 2009 könnte der Bonus angesichts guter Geschäfte seiner Sparte wieder so hoch ausfallen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Insider.

Die Citigroup wurde vom US-Steuerzahler bisher mit 45 Milliarden Dollar an direkten Hilfen und mehr als 300 Milliarden Dollar an Garantien gestützt. Der Staat wurde zugleich mit künftig 34 Prozent größter Anteilseigner.

In der Politik gibt es únterdessen Bestrebungen, mit Staatsgeld gerettete Unternehmen zur Beschränkung von Sonderzahlungen zu zwingen. Wie das Wall Street Journal berichtet, will der für die Hilfen zuständige Mitarbeiter des Finanzministeriums, Kenneth Feinberg, die betreffenden Firmen zu einer Überarbeitung von Löhnen zwingen, die als zu hoch angesehen werden. Andernfalls würde die Staatshilfe gekürzt.

Dem Bericht zufolge sollten sieben Unternehmen bis zum 13. August Vorschläge für die Zahlung von Abfindungen und Sonderleistungen präsentieren. Dazu zählten neben der Citigroup auch die Bank of America, AIG, Chrysler, Chrysler Financial, General Motors und GMAC Financial Services. GMAC hat dem Wall Street Journal zufolge seinen Top-Managern zugesagt, ihnen 20 Prozent ihres Lohns in bar und 80 Prozent in Aktien zukommen zu lassen. Die Banken müssten Feinberg überzeugen, dass sie die richtige Balance gefunden hätten, übertriebenes Risiko zu vermeiden und die Leistungen der Top-Mitarbeiter zu honorieren, zitierte die Zeitung einen Sprecher des Finanzministeriums.

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