Chinesischer Staatsfonds Handzahme Heuschrecke

Der Pekinger Staatsfonds CIC weckt Ängste vor einer Einmischung des kommunistischen Chinas in kapitalistische Konzerne. Dabei muss der Fonds erst seine eigenen Probleme meistern, bevor er anderen welche bereiten kann.

Von Konrad Fischer

Kürzlich ging wieder ein Gespenst um in Europa. Ein Gerücht verbreitete sich, wonach der chinesische Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) den Einstieg bei der Dresdner Bank plane, einer wichtigen Adresse des deutschen Kapitalismus. Das Entsetzen war groß - der lange Arm der kommunistischen Weltmacht schien auf einmal bis mitten in Frankfurts Bankencity zu ragen.

Im Fokus des Interesses: Der chinesische Staatsfonds CIC ist zuletzt angeblich bei Total eingestiegen.

(Foto: Foto: dpa)

"Ich sage nur: China, China, China!", warnte Kurt Georg Kiesinger einst vor der "gelben Gefahr". Hinter den neuen Ängsten steckt die seit der Gründung des Fonds im vergangenen September gehegte Vermutung, der Superstaat China könne bei seinen Investitionen nicht nur die Rendite im Blick haben - sondern auch Politisches.

Mit dem Staatsfonds CIC versucht die chinesische Regierung nach offiziellen Angaben, Teile ihrer immensen Devisenreserven gewinnbringend einzusetzen. Von diesen Reserven in Höhe von rund 827 Milliarden Euro (1,3 Billionen Dollar) fließt bisher die Hälfte in renditearme Staatsanleihen. Das Problem der Regierung in Peking: Die Reserven werden in Dollar gehalten und verlieren durch den andauernden Kursverfall der amerikanischen Währung zusehends an Wert. Allein im Jahr 2007 betrug der Wertverlust rund 2,16 Milliarden Euro (3,4 Milliarden Dollar).

So schwach hatten sich die Kommunisten den Klassenfeind von einst nicht vorgestellt.

Vorbild Singapur

Nachdem es anderen Staaten mit ähnlichen Ausgangsbedingungen in den vergangenen Jahren gelungen ist, mit Investionen auf dem Kapitalmarkt hohe Renditen zu erzielen, will auch die chinesische Regierung diese Chance nutzen. Als direktes Vorbild gilt dabei der Staatsfonds von Singapur mit dem Namen Temasek. Der hält Beteiligungen an einigen Großkonzernen, von chinesischen Banken bis zu indischen Textilherstellern. 2007 schaffte Temasek nach eigenen Angaben eine Rendite von 16 Prozent.

Der neue finanzpolitische China-Kracher CIC hat sich bei seinen Investitionen entgegen anfänglicher Befürchtungen bisher eher zurückhaltend gezeigt. Der 200 Milliarden schwere Fonds hatte von Beginn an das Ziel ausgegeben, höchstens 70 Milliarden Euro seines Startkapitals im Ausland anzulegen. Der Rest soll im Inland investiert und als Kapitalreserve für Chinas Banken zurückgehalten werden.

In einem Interview mit dem Wall Street Journal rief CIC-Chef Lou Jiwei, einst Finanzminister in der chinesischen Regierung, jüngst einen Strategiewechsel in der Anlagepolitik aus: Man wolle "in erster Linie in Portfolios und nicht in Einzelunternehmen" investieren.

CIC hat bisher fast ausschließlich in Amerika eingekauft. Zunächst stieg der Fonds mit drei Milliarden Dollar beim Finanzinvestor Blackstone ein, dem zweitgrößten Aktionär der Deutschen Telekom. Später steckten die Chinesen fünf Milliarden Dollar in die US-Investmentbank Morgan Stanley und halfen ihr damit, trotz Finanzkrise die Liquidität zu wahren.

Besonders erfolgreich waren die Auslandsinvestitionen aus der Sicht von CIC bis dato jedoch nicht: So hat sich der Kurs von Blackstone seit dem Einstieg des Staatsfonds nahezu halbiert. Nun hoffen die Chinesen, dass ihre neue Investition mehr Erfolge bringt. Die Safe Investment, ein Hongkonger Vehikel des chinesischen Staates, ist mit 1,24 Milliarden Euro beim britischen Ölkonzern BP eingestiegen. Und auch an der französischen Ölfirma Total ist Safe inzwischen mit 1,6 Prozent beteiligt. Die Investition in Öl scheint für die Chinesen wohl immer interessanter zu werden.

Unglückliche Investitionen

Für das eher zögerliche Vorgehen der chinesischen Investoren gibt es zwei gute Gründe: Einerseits versucht der Fonds so, das Vertrauen internationaler Kapitalmarktakteure zu gewinnen - andererseits muss der Fonds die chinesische Öffentlichkeit von seiner Daseinsberechtigung erst noch überzeugen. Nach den eher unglücklichen Investitionen bei Blackstone und Morgan Stanley war die Kritik an der Einkaufspolitik des Fonds im eigenen Land zuletzt lauter geworden. Die Führung des Fonds musste Fehler einräumen und begründete dies mit der Unerfahrenheit des eigenen Personals.

Seitdem ist man vorsichtig geworden bei CIC. Das Dementi des Einstiegs bei der Dresdner Bank erfolgte schnell und eindeutig. Das Frankfurter Finanzhaus hätte nach Einschätzung der meisten Analysten nicht ins Portfolio des Fonds gepasst - auf eine Investition in Deutschland hin wäre wohl weitere Kritik in China gefolgt.

Dabei ist der Fonds auf die Unterstützung der heimischen Öffentlichkeit und vor allem der hohen Parteikader Chinas dringend angewiesen: Viele Devisenreserven lagern immer noch in der verlustreichen US-Währung. Sollte der Staatsfonds CIC profitabler sein, könnte das Geld den Strategen um Lou Jiwei zufließen.

Bisher aber kann die Rendite des CIC kaum mit den Staatsanleihen mithalten; dort erreicht das Kapital immerhin gut 4,4 Prozent Gewinn.