Bundesbank: Weidmann folgt auf Weber Angela Amiga

Die Merkel-Republik: Bei der Vergabe von Posten kennt die Kanzlerin keine Scham. Die dreiste Verquickung von Ämtern wird zum System.

Ein Kommentar von Marc Beise

Man stelle sich einmal vor, der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hätte seinen Büroleiter zum Chef des Rechnungshofes gemacht - die kritische Öffentlichkeit hätte Kopf gestanden ob dieser dreisten Ämterverquickung. Stoibers mutmaßliche Rechtfertigung, seine Einser-Juristen seien natürlich über jeden Zweifel erhaben, wäre verlacht worden. Deshalb kam nicht mal der CSU-Chef, der von Seilschaften viel verstand, auf eine so absurde Idee. Angela Merkel dagegen kennt bei Personalentscheidungen keine Scham.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt sich dem Verdacht aus, einfach Ruhe an der Notenbankfront haben zu wollen.

(Foto: dapd)

Die Bundeskanzlerin schickt ihren obersten Wirtschaftsberater, den ehrenwerten Jens Weidmann, ausgerechnet an die Spitze der Bundesbank, eine der vornehmsten und unabhängigsten Adressen des Landes; ein absolut unübliches, ein haarsträubendes Verfahren. Die Amiga-Politik beginnt zum System zu werden. Vor Weidmann wechselte schon das andere Mitglied der Merkel'schen Boygroup, der ebenfalls ehrenwerte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, an die Spitze des unabhängigen Bayerischen Rundfunks.

Der gelernte Journalist Wilhelm immerhin hat eine Schamfrist verstreichen lassen, der gelernte Ökonom Weidmann bekommt diese Chance nicht. Daran allerdings trägt er selbst am wenigsten Schuld. Er darf sich außer bei Merkel auch bei seinem Amtsvorgänger Axel Weber bedanken, dessen überhasteter Abgang Zugzwang produzierte.

Weber begründet seinen Rückzug mit einer laxen Wirtschaftspolitik. Namentlich die Europäische Zentralbank hat sich mit den Schuldenpolitikern gemein gemacht. Stein des Anstoßes ist der Beschluss, Schuldscheine von Krisenstaaten aufzukaufen, was in letzter Konsequenz ein Fall von Gelddrucken ist.

Weber hat diesen Fehler klar benannt. Statt aber im Interesse des Allgemeinwohls weiter für mehr Stabilitätspolitik zu kämpfen, hat er sich der in Deutschland beliebten "Ich hab keinen Bock mehr"-Fraktion angeschlossen. Quasi zum Ausgleich lobt er Weidmann in höchsten Tönen.

Der Neue ist in der Wirtschafts- und Geldpolitik unbestritten kompetent. Er sei zudem, sagen seine Fans, so charakterstark, dass die Vorstellung absurd sei, hier werde ein Notenbanker zum verlängerten Arm der Politik. Als unabhängiger Geist allerdings ist Weidmann bisher nicht aufgefallen. Er hat gelernt, alle Volten der Kanzlerin mitzutragen. Unerfahren in einer solch exponierten Schlüsselposition ist der 42-Jährige allemal.

Die erfolgreichsten seiner Vorgänger waren über viele Stationen auf den Spitzenjob vorbereitet worden, hatten Ecken und Kanten. Auf diesem Weg wird man selbstbewusst. So selbstbewusst, dass es die Politik schmerzen kann, was manchmal sein muss. Merkel erweckt fälschlicherweise den Eindruck, für die langsame Tour habe es kein Personal gegeben. Mit ihrer Schnellbeförderung setzt sie sich dem Verdacht aus, einfach Ruhe an der Notenbankfront haben zu wollen.

Merkel mutet ihrem Mann viel zu, und dem Land auch.

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