Bundesbank: Nachfolge von Axel Weber Der Schüler ersetzt seinen Lehrer

Eigentlich sollte Weidmann im Mai Nachfolger von Franz-Christoph Zeitler als Bundesbank-Vizechef werden. Er hätte damit wieder an der Seite Webers gestanden, bei dem er einst in Bonn Ökonomie studiert hatte. Stattdessen - Ironie der Geschichte - übernimmt er nun dessen Job. Weber hat am Wochenende schon Wahlkampf für seinen Ex-Schüler gemacht: Dieser sei ein "hervorragender Ökonom" und ein "absoluter Profi".

Kritik an Weidmann findet man selten, sieht man einmal davon ab, dass er in linken Publikationen als "Merkels neoliberales Mastermind" beschimpft wird. Manch anderem wird der 42-Jährige zu jung für das so ehrenwerte wie traditionsbeladene Amt des obersten Währungshüters erscheinen.

Und auch, ob er die nötige Autorität hat, dem in Grüppchen zerfallenen, von Eifersüchteleien geprägten Bundesbankvorstand den alten Corps-Geist zurückzugeben, muss er erst noch beweisen.

Merkel hatte deshalb auch erwogen, Zeitler für eine kurze Übergangszeit zum Präsidenten und Weidmann zunächst zu dessen Stellvertreter zu berufen. Doch daraus wird wohl nichts - Weidmann muss springen.

Für den manchmal fast beängstigend korrekten Mann mit dem Sinn für feinen Humor ist der Wechsel zur Bundesbank eine Rückkehr, denn zwischen 2003 und 2006 arbeitete er als Leiter der Abteilung für Geldpolitik schon einmal für die Behörde.

Nur den großen Fernsehauftritt wird er noch üben müssen, denn der wird für ihn künftig zum Geschäft gehören. Ganz abzulegen braucht er seine bisherige Zurückhaltung allerdings auch nicht: Ein guter Bundesbankpräsident nämlich muss gelegentlich auch einfach an den Kameras vorbei gehen können.