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Brokerfirma MF Global ist pleite:Aktie fiel in einer Woche um 75 Prozent

Am 25. Oktober hatte die Firma einen Quartalsverlust von 191 Millionen Dollar gemeldet. Daraufhin setzten die Ratingagenturen die Qualität von MF-Global-Schulden auf Schrott-Status herab. Die Aktie der Firma fiel um 75 Prozent. Nach Medienberichten ermitteln zudem die Behörden, weil Einlagen von Kunden von 700 Millionen Dollar fehlen. Dies deutet auf erhebliche Mängel in der Buchführung hin.

Die Investmentfirma, die außerhalb der Wall Street unbekannt ist, war spezialisiert auf den Handel mit Rohstoffen und Derivaten. Der jetzige Chef Jon Corzine hatte seinen Posten 2010 mit dem Ziel übernommen, MF Global zu einer richtigen Investmentbank auszubauen, die auch mit dem eigenen Geld spekuliert. In der Branche war von einem "Mini-Goldman-Sachs" die Rede.

Beruhigend aus globaler Sicht ist die Tatsache, dass MF Global trotz seiner Größe nicht systemisch relevant ist. Der Konkursantrag hat bis Dienstag keine größere Störung der Kreditmärkte ausgelöst. Für die Europäer liefert die Pleite allerdings ein Warnsignal: Der Run auf MF Global setzte ein, obwohl die Firma gar keine griechischen Anleihen besitzt. Es reichte, dass die Renditen italienischer, spanischer und anderer Anleihen nicht so zurückgingen wie erhofft, um bei den Kunden Panik auszulösen. Die Finanzmärkte schätzen die Lage in Europa also als extrem labil ein.

Auf der Liste der Gläubiger steht eine Tochter der Deutschen Bank, mit Außenständen von 1,02 Milliarden Dollar. Dabei handele es sich nicht um eigenes Geld, das Institut trete als Vermögensverwalter für Investoren auf, hieß es. Das Engagement der Bank selbst bei MF Global liegt im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

© SZ vom 02.11.2011/jab

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